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News der Woche KW 49 (Week 14)

Dies ist eine Kolumne und beinhaltet die persönliche Meinung des Autors.

Die Schlagzeilen der Woche

  • Niederlage gegen die Cardinals eliminiert quasi alle Playoff-Hoffnungen
  • Aaron Rodgers‘ schlechtes Spiel und schlechte Laune auf dem Feld
  • Mike McCarthy ist nicht länger Coach der Packers
  • Joe Philbin wird Interims Head Coach bis Saisonende
  • Mark Murphy bestimmt den zukünftigen Head Coach
  • Winston Moss setzt kritischen Tweet ab, wird gefeuert
  • Verletzungssorgen in der O-Line, Spieler auf IR
  • Die nächste „Vogel-Franchise“ kommt nach Lambeau Field: Die Falcons!

Die schmerzhafte Niederlage gegen die Cardinals und die Probleme von Aaron Rodgers

Ich muss ehrlich zugeben, ich habe das Spiel nicht in Gänze gesehen. Ich konnte es am Sonntag nicht verfolgen und hatte danach wenig Lust, mir diese Qual noch zu geben. Was ich davon gesehen habe, war aber das „alte Lied“ der Packers von dieser Saison: Ordentliches Defensiv-Spiel und uninspiriertes, wenig einfallsreiches Offensiv-Spiel mit einem schwachen Aaron Rodgers. Aaron freaking Rodgers verdient in diesem Jahr 2018 $66.9 Mio. SIEBENUNDSECHZIG Millionen!!!

Natürlich muss man berücksichtigen, dass er dieses Jahr einen Vertrag bis 2023 unterschrieben hat und der Signing Bonus nur einmal anfällt – nämlich sofort – aber trotzdem. Die Top 5 Manager (CEOs) von europäischen Firmen (nicht deutschen!!) verdienen zusammen circa 67 Mio Dollar und haben Verantwortung für zehntausende Angestellte. Aaron Rodgers muss sich erstmal nur um sich selbst kümmern. Ich verstehe, dass da ein Unterschied zwischen einem Sportstar und einem Manager besteht, trotzdem ist das ein ganzer Haufen Geld – auch für einen NFL Quarterback. Und wenn dieser Quarterback zwei- bis dreimal im Spiel bei kurzen Pässen den Ball auf die Füße seiner Receiver wirft (die fangen normalerweise mit der Hand, zur Info), dann ist da eine gewisse Diskrepanz zwischen dem Gehalt und der Leistung.

Wir Fans erwarten von Rodgers die Wunder-Leistungen weil wir sie von ihm gewohnt sind und eben auch, weil sein Team ihn genau dafür bezahlt hat. Und wenn er schon seine Fehler macht und wir es alle sehen, dann soll er bitte nicht nach einem missglückten Pass, der entweder über- oder unterworfen wurde, den jeweiligen Receiver böse anschauen oder mit den Augen rollen, sondern den Fehler bei sich suchen. Seine Körpersprache auf dem Feld ist grausam, das regt mich persönlich fast sogar am meisten auf. Er wirkt so, als hätte er überhaupt keine Lust. Wer alte Spiele von Brett Favre schaut, dann merkt man dem an, wie viel Spaß der hatte! Brett Favre war ein großartiger Quarterback, der mit seinem Raketenarm ein paar Interceptions zu viel geworfen hat, um in der gleichen Kategorie wie Aaron Rodgers zu spielen – aber er hatte Spaß dabei und man hat es ihm angesehen!!

Mike McCarthy wird nicht länger den Mike McCarthy Way zur Arbeit nehmen

Nun ist es als Franchise vielleicht keine so gute Idee, die aktuellen Probleme alleine beim Star Quarterback zu suchen, dem man gerade einen Vierjahresvertrag (bzw. eine Verlängerung) für $134 Mio angeboten hat. Das wäre wirtschaftlich und auch moralisch möglicherweise problematisch. Auch andauernde Berichte über ein Gegeinander-Arbeiten von Rodgers und McCarthy dürften dem Head Coach nicht weiterhelfen – es soll Berichten nach sogar so weit gegangen sein, dass McCarthy vom Backup QB über ein geändertes Play Design unterrichtet wurde (also nicht, dass er vom Lauf zum Pass gecheckt hat, sondern dass er einen komplett neuen, anderen Spielzug angesagt hat)!!

Da macht man es sich einfacher und sägt den sowieso schon angesägten Stuhl des Head Coaches, der meiner Meinung nach auch mehr Schuld an der aktuellen Misere trägt, einfach ab. Durch die Niederlage gegen die Cardinals und das damit quasi sichere Ausscheiden aus den Playoffs (2%-Chance, anybody?) war McCarthy sowieso nur noch eine „lame duck“, also eine lahme Ente ohne irgendeine Macht.

Jedem war klar, dass er nach dieser Saison „gegangen wird“. Und so hat man diese unglückliche Situation vermieden, in der jede Woche die gleichen Fragen von Reportern an den Trainer, den Quarterback und den Präsidenten/CEO kommen und hat Mike McCarthy direkt nach seiner Pressekonferenz gefeuert. McCarthys letzter Satz in der PK: „Ich war noch nie in so einer Situation und ich hab‘ keine Ahnung, was ich morgen machen werde (mit dem Team)“. Eine quasi selbsterfüllende Prophezeiung, denn Minuten später wurde er ins Büro von Mark Murphy zitiert und dort wurde ihm eröffnet, dass er nicht länger der Head Coach der Packers ist.

Murphy hat sich zuvor mit GM Brian Gutekunst abgesprochen und dann die Entscheidung getroffen. Ob das in der kurzen Zeit zwischen Spielende und PK von McCarthy möglich gewesen ist, kann man bezweifeln. Wahrscheinlich ist eher, dass die Entscheidung, McCarthy nach der Saison zu feuern, schon länger feststand und man nach dem Spiel sich nur noch schnell darauf verständigt hat, das jetzt sofort zu tun.

Die Diskussion, ob die Entlassung die richtige Entscheidung war und wer auf ihn folgen könnte, überlasse ich dem PackersTalk Germany Podcast von dieser Woche, das würde hier den Rahmen sprengen – ihr könnt es auch gerne unter dem Artikel oder in den Sozialen Medien diskutieren (macht ihr ja eh schon ;-)). Die Entscheidung über das Einstellen und Feuern (Hire&Fire) von Trainern lag bisher bei den Packers traditionell beim General Manager, wurde aber durch eine Umstrukturierung von Murphy zu Beginn des Jahres geändert. Das mag man nun gut oder schlecht finden (mir persönlich ist es egal, solange die richtigen Entscheidungen getroffen werden), aber man wird den Erfolg des zukünftigen Trainers auch mit dem CEO Mark Murphy verknüpfen – zumindest, wenn es nicht gut läuft – dafür sorgt die kritische Presse aus Green Bay, die Neuem generell nicht so positiv eingestellt ist, schon.

Interims Head Coach Joe Philbin, Winston Moss und Mark Murphy als Entscheider

Jetzt mögen sich viele von euch (zu Recht) fragen: Warum in aller Welt wird Joe Philbin Interims Head Coach der Packers? Naja, es gab im Prinzip vier Kandidaten zur Auswahl: Offensive Coordinator Joe Philbin, Defensive Coordinator Mike Pettine, Assistant Head Coach Winston Moss und Special Teams Coordintor Ron Zook.

Fangen wir mit dem letzten an: Dass ein Special Teams Coordinator Interims Head Coach werden kann, ist durchaus möglich – so geschehen bei den Rams nach der Entlassung von Jeff Fisher (zu sehen bei All or Nothing). Allerdings nur, wenn die Special Teams nicht so eine Katastrophe sind wie in Green Bay. Trotz aller offensiven und teils defensiven Probleme waren die Special Teams bisher klar der schlechteste Mannschaftsteil. So wird man nicht Head Coach, nicht einmal für vier Spiele. Zook wird höchstwahrscheinlich (bzw. bei mir hoffentlich) nach der Saison nicht mehr da sein.

Kommen wir zum zweiten Kandidaten: Winston Moss. Moss wurde intern wohl schon seit längerer Zeit intern kritisiert und überlebte nur durch den guten Willen von McCarthy, der ihn 2006 einstellte und seit vier Jahren als Assistant Head Coach bei sich hatte. Der Mannschaftsteil den Moss betreute, die Linebacker, spielte diese Saison nicht besonders gut und auch sein Auftritt vor der Presse (da gab es eine unglaubliche PK, zu sehen hier – bitte anschauen, wer es noch nicht hat!) war nicht sehr souverän. Kein Wunder also, dass ihn der neue Head Coach an seinem ersten vollen Tag als Head Coach feuerte, bedenkt man auch noch folgenden Tweet, den Moss abgesetzt hat, in dem er die Moral der Packers kritisiert:

Die Chance, dass sich Moss selbst feuern ließ, sehe ich bei circa 102%.

Sein nächster Tweet war übrigens der:

#thankstwitter.

Bei den nächsten zwei Kandidaten wird die Sache schon ein bisschen schwieriger: Defensive Coordinator Mike Pettine und Offensive Coordinator Joe Philbin. Pettines Leistungen als DC waren diese Saison (meiner Meinung nach) unglaublich gut. Er hat aus einem Haufen Spieler eine Einheit geformt, die vielen Offenses arge Probleme bereiten konnte. Die Tiefe auf den einzelnen Positionen war wirklich bedenklich, kein Wunder nach 150 Jahren Ted Thompson’s Draft & Develop System, bei dem undrafted Free Agents 70 Jahre gehalten werden und dann irgendwann spielen müssen, ohne je einen Snap in der NFL gesehen zu haben. Das ändert sich zwar gerade und auch für nächste Saison, aber auch Gutekunst kann in einem Jahr nicht den ganzen Kader umkrempeln. Der einzige Grund, warum es meiner Meinung nach nicht Pettine (als Interims Head Coach) wurde: Er will bzw. wollte nicht. Er hat schon zu Saisonbeginn gesagt, dass er kein Head Coach mehr sein will und dies anscheinend auch intern wiederholt.

Damit blieb also noch einer übrig: Joe Philbin. Nach dem Ausschlussprinzip ernannt zu werden, spricht nicht unbedingt für ihn und er wird höchstwahrscheinlich nach dieser Saison nicht mehr da sein, da der neue Head Coach seinen Offensive Coordinator selbst bestimmen wird – aber bis dahin kann er noch einmal zeigen, ob er etwas drauf hat. Die offensiven Spielzüge hat McCarthy bisher gecalled, vielleicht wird es unter Philbin ja besser. Möglicherweise. Vielleicht. Eventuell.

Und auch wenn Murphy beteuert, Philbin sei ein „starker Kandidat“ für den Posten und man werde ihn definitiv berücksichtigen, so glaube ich erstens nicht daran und hoffe auch, dass er es nicht wird. Green Bay braucht jetzt innovative Ideen und nicht den gleichen Trott von 13 Jahren McCarthy. Die Offense hat sich, genauso wie die Defense unter dem alten Defensive Coordinator Dom Capers, überholt und konnte nicht mehr auf neue Designs der gegnerischen Defenses reagieren. Das hat Mike McCarthy übrigens selbst zugegeben!

Verletzungssorgen in der O-Line und Spieler auf Injured Reserve

Der Plan der Packers ist nun offensichtlich: Alles, was nicht zu 100% fit ist, wird auf Injured Reserve gesetzt. So auch CB Kevin King (in 2 von 2 Jahren), DL Mike Daniels, WR Trevor Davis, S Ibraheim Campbell und RB Tra Carson (nur noch 2 RBs + 1 FB im Roster, aber da die Packers eh nicht laufen, ist das auch egal). Das ist jetzt kein schlechter Plan, denn diese Saison reißen die Packers eh nichts mehr und dann sollen die sich lieber auskurieren und für nächstes Jahr fit sein.

In der O-Line steht David Bakhtiari auf dem Injury Report (hat aber voll trainiert), Right Guard Byron Bell (nicht trainiert), Right Tackle Bryan Bulaga (nicht trainiert, wenn der nicht spielt, dann gute Nacht – ich sage nur Jason Spriggs), und Left Guard Lane Taylor (voll trainiert). Vier von fünf O-Linern stehen auf dem Injury Report und Rodgers bekommt die schnellen, kurzen Pässe nicht hin, was soll da noch schief gehen?

In dem Sinne, viel Spaß beim Spiel gegen den Angstgegner Falcons, gegen die wir seit Trilliarden Jahren nicht gewonnen haben. Bleibt nur die Hoffnung, dass die Falcons mit der Kälte nicht klar kommen – oh, das haben wir bei den Cardinals auch gehofft, oder? Naja, wird schon schiefgehen. Wie ihr seht, ich gehe sehr optimistisch ins Spiel 😉 Aber einen Vorteil muss man sehen: Die Falcons haben keine Ahnung, wie wir spielen werden (wir vermutlich auch nicht). Und schon oft hat ein neuer Head Coach die ersten Spiele gewonnen, weil der Gegner ihn nicht einschätzen konnte. Hoffen wir also, dass Philbin ein paar neue Elemente umsetzen kann und wird.

Gezeigt wird das Spiel am Sonntag, den 9.12. um 19 Uhr bei DAZN in der Redzone und mit dem NFL Gamepass.

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