Allgemein Kolumnen Season 2018

„Enemy Territory“ Miami Dolphins-Edition – Week 10 / 2018

Es ist mal wieder Zeit für eine neue Runde „Enemy Territory“! Diesmal hat sich Tobias von den Miami DolFans Germany Zeit genommen, dessen Preview auf das morgige Game  wir gestern bei Facebook geteilt haben (Link zum Facebook-Post).

 

1. In der Offseason hat man einige Leistungsträger wie Jarvis Landry, Ndamokong Suh, Mike Pouncey oder auch Michael Thomas verloren. Vor der Saison haben viele Experten die Dolphins bereits einen Top 5 Pick im nächsten Jahr zugeschrieben. Nach 9 Wochen sieht das Ganze mit einem 5-4 Record allerdings gar nicht so schlecht aus und das obwohl euer QB Ryan Tannehill mal wieder mit Verletzungen zu kämpfen hat. Wie erlebst du die Saison bisher? Was gefällt dir gut? Wo siehst du Verbesserungspotenzial?

Ja, der Abgang der Leistungsträger bedeutet einen Einschnitt. Coach Adam Gase hat das aber forciert und unter dem Begriff „cultural change“ durchgezogen. Jeder Spieler für sich hatte seine Gründe, warum er Miami verlassen musste. Landry wollte man halten – aber nicht zu dem Preis. Er ist einer der besten slot receiver der Liga – wie sich in Cleveland aber zeigt, ist er keiner der besten WR der Liga. Miami war durch ihn leichter ausrechenbar, weil er die meisten Targets bekam und die offense so limitierte. Man hat sich entschieden, Suh zu cutten, weil er durch einen restrukturierten Vertrag QB money bekam – aber weder auf dem Feld noch im locker room der Leader war, den man erwartet hatte. Mike Pouncey war in den letzten Jahren immer mal wieder verletzt und man traute ihm nicht zu, seine Leistung für das gezahlte Gehalt wieder auf einem hohen Niveau zu bringen. Michael Thomas war FA und die Giants haben schlichtweg mehr Geld geboten als Miami. Ich würde in die Liste noch den Kicker Cody Parkey aufnehmen, da wir Fans auch hier erwartet hatten, deutlich schlechter dazustehen.

Im Grunde genommen lässt sich der Neu-Aufbau des rosters aber durch die Mischung aus Talent und Erfahrung zu vernünftigen Gehältern beschreiben. Man holte veterans wie Amendola, Gore, Sitton und kombinierte sie mit jungen Talenten wie RB Kenyan Drake, WR Albert Wilson oder LT Laremy Tunsil. Sie sollten sportlich Verbesserungen bringen, aber auch vor allem mit ihrer Erfahrung als Mentoren für die Jungen dienen. Gerade die deutschen Football-Experten kamen dann immer despektierlich mit „Rentner-Gang“ um die Ecke. Hat sich für die DolFans nicht überraschend als nicht ganz so gravierend herausgestellt.

Die Saison bisher ist typisch Dolphins: Ein ständiges Auf und Ab. Klare Siege gibt’s nicht. Nur deutliche Klatschen (NE, HOU), Drama und Spannung bis zum Ende. Bestes Beispiel: Das Spiel gegen die Bears, gewonnen in der letzten Sekunde der OT. Da noch zwei Spiele gegen Bills und eins gegen die Colts auf dem Schedule stehen, sind acht Siege realistisch – das wäre vor der Saison für die Experten undenkbar gewesen, für die Fans wäre es normal gewesen. Dolphins – nie richtig schlecht, aber auch selten richtig gut 😛

Dieses Mal aber gepaart mit heftigsten injury issues. Aktuell stehen acht Stammspieler auf IR, weitere 17 sind im injury report und sind bzw. waren verletzt. Da ist man ziemlich gebeutelt. Hätte, wäre, wenn – die Phins könnten sogar noch besser stehen, wenn sich nicht die Hälfte der O-Line (Sitton, Kilgore) sowie der wie eine Bombe eingeschlagene Top-WR Albert Wilson (in South Beach redet keiner mehr von Landry) in der Offense sowie DE Hayes, DT Taylor (die besten run stopper) outt for season abgemeldet hätten. Ich hatte vor der Saison eine 7-9 bis 9-7 predicted (von dden „Experten“ kamen Tipps wie 5 oder 6 Wins – aber wir DolFans sind dagegen Sturm gelaufen. Sooo überraschend kommt das alles nicht – wenn man denn den Plan von Gase auf der Pfanne hatte und sich nicht von den Namen blenden ließ. Die Tiefe ist im Kader deutlich besser geworden. Verbesserungs-Potential? Der hoch gehandelte TE Mike Gesicki wird als Rookie noch zu wenig eingebunden, die run defense ist immer noch miserabel und die LB sind Rookies (Baker 1st year, McMillan zwar 2nd year, war aber die ganze letzte Saison verletzt), die noch lernen müssen. Positiv: Rookie Minkah Fitzpatrick. Kann Safety, Corner und irgendwie alles spielen – Schweizer Taschenmesser und künftiger Pro Bowler. Darüber hinaus: defense mit 15 INTs – Bestwert der Liga 😉

 

2. Ryan Tannehill wurde 2012 nach Miami geholt mit der Hoffnung wieder an die erfolgreichen Zeiten anzuknüpfen. Trotzdem gelang es erst 2016 das erste Mal nach 2008 wieder in die Playoffs einzuziehen. Kurz danach die Ernüchterung: Kreuzbandriss. Aktuell muss euer Starting-QB aufgrund einer Schulterverletzung schon wieder von der Seitenlinie zuschauen. Auch wenn Tannehill zwischenzeitlich immer wieder zeigt, dass er ein Top-QB sein kann, gibt es immer wieder Stimmen, die sagen, dass seine Zeit in Miami bald ablaufen könnte. Ist Tannehill deiner Meinung nach der Quarterback der Zukunft oder sollten sich die Verantwortlichen nach einem anderen Spieler umschauen?

Ryan Tannehill ist ein ganz langes Thema. Er ist kein Elite-QB – wird er auch nie. Er ist solide und kann Spiele entscheiden. Ein Playmaker ist er aber nicht. Er spielt das, was er kann. Durch seine Leistungen in der Saison, die eben das sind, was er kann, ist er nicht Teil des Problems. Er ist aber auch nicht die Lösung auf die Frage, wer (nach jetzt knapp 20 Jahren) endlich Dan Marino beerben kann. Für 2019 ist man aufgrund des dead caps und seines restrukturierten Vertrags mit ihm commited. Danach war es das aber wohl für ihn. Gerade in Miami selber bekommt er immer reichlich Kritik ab – selbst nach guten Spielen. Ich denke, dass die Verantwortlichen schon längst einen Plan B in der Tasche haben. Der kann wohl aus drei Varianten bestehen:

  • man hat Luke Falk ins Roster geholt und baut den Spieler bis 2020 zum Stamm-QB auf. Das kann er schaffen, Potential hat er. Er ist nur jetzt noch nicht NFL-ready (zudem auf IR :-P)
  • man signed 2020 einen der bis dahin FA werdenden QB (Nick Foles, Mariota z.B.)
  • man benutzt den Draft und zieht 2019/2020 den neuen franchise-QB. Wobei die 2020er class deutlich besser zu sein scheint als der kommende Jahrgang – wer will schon einen Stamm-QB, der Herbert heißt? 😛

 

3. Die Packers haben diese Saison bisher alle Auswärtsspiele verloren. Bei den Heimspielen stehen immerhin 3 Siege und ein Unentschieden zu Buche. Wie groß schätzt du den Vorteil ein, dass wir am Sonntag im heimischen und legendären Lambeau Field – möglicherweise im Schneetreiben – gegen ein Team antreten, dass aus dem warmen Florida anreist?

Sehe ich nur bedingt als Vorteil an, da das roster der Phins eben nicht nur aus Spielern besteht, die ihr Leben nur in Florida verbracht haben. Klar ist der Heimvorteil auf Seiten der Packers gegeben – aber das wäre er auch bei 10 Grad und Sonnenschein. Das Wetter ist – da spricht man in Miami aus Erfahrung – aber immer ein Faktor. Bei uns „braten“ die Auswärts-Teams stets in der Sonne, während die Phins immer im Schatten stehen.

 

4. Auch wenn wir in unterschiedlichen Conferences spielen und nur alle 4 Jahre aufeinandertreffen, bekommt man in der NFL ja einiges mit. Als Fan eines Teams ist es immer wieder spannend zu sehen wie Fans anderer Teams uns wahrnehmen. Wie schätzt du unsere Saison bisher ein? Was siehst du bei uns positiv bzw. eher negativ?

Irgendwie will es zwischen Rodgers und seinen Receivern in diesem Jahr noch nicht so recht funktionieren. Eure #12 hatte schon stärkere Jahre, das running game ist ja schon fast traditionelle eher nur schmückendes Beiwerk. Aber: die connection zwischen Rodgers und TE Jimmy Graham scheint besser zu werden. Trotzdem wird es mit den Playoffs schon eng und für den SB fehlt es auch auf der defensiven Seite des Balls an zu Vielem, um schon 2018/19 ein contender zu sein.
Schon allein wegen der dümmlichen GOAT-Diskussion aus Boston (AFC East-Rivale) muss man als Fan der Dolphins die Packers sympathisch finden. Aber auch in der Vergangenheit konnten sich die Cheeseheads (find ich genial, wie sich die Fans selbst so auf die Schüppe nehmen mitt den Käseköppen) positiv darstellen. Der Charakter als Fan-geführte franchise kommt noch dazu. Ich könnte jetzt nichts Negatives gegen die Packers sagen. Bis auf die Tatsache, dass es damals bei mir eben Dan Marino und nicht Brett Favre war, dem ich das footballerische Herz geschenkt habe. Zumal ich in der MLB die Oakland A´s cool finde – die Farben sind ja ähnlich zu denen der Packers. Allerdings hab ich als Außenstehender den Trade von Ha Ha Clinton-Dix nicht verstanden. Aber dafür bin ich zu wenig firm bei Teams der NFC.

 

5. Für unsere beiden Teams geht es am Sonntag um Einiges. Beide wollen dem jeweiligen Spitzenreiter der Division auf den Fersen bleiben bzw. im Kampf um die Wildcard-Spots den Anschluss nicht verlieren. Was sind deiner Meinung nach jeweils ein Duell in der Offense, Defense und ggfs. in den Special Teams, auf die es ab 22:25 Uhr besonders ankommt?

Das sehe ich ein bisschen anders. Für die Packers ist es ein must win-game, das ist richtig. Aber die Phins sind nicht in der Position, auf der Jagd nach NE zu sein. Noch nicht! Und ein Wild Card spot hängt für Miami nicht an dem Spiel in Lambeau. Man kann nur gewinnen – wenn man einen auf die Mütze bekommt, war es erwartbar. Wir haben keine Chance – also wollen wir sie nutzen und das W entführen.

Wichtige Duelle am Sonntag sind:

  • Aaron Rodgers gegen die Secondary der Dolphins. 1 INT gegen 15 INTs. Wenn eure #12 da ohne Pick rauskommt, stehen die Zeichen auf Heimsieg
  • Xavien Howard gegen Davante Adams, Jimmy Graham gegen Minkah Fitzpatrick. Stoppen kann man beide nicht – aber eindämmen. Kann man die beiden kontrollieren, sieht es für Miami nicht schlecht aus
  • Brock Osweiler gegen den pass rush und gegen sich selber. Wenn er mal wieder eine Top-Leistung zeigt und Zeit bekommt, kann er das WR corps der Phins gut einsetzen und die werden produzieren. Possible targets sind genug da (Drake als RB, Stills/Grant/Parker/Amendola/hoffentlich auch Gesicki)
  • running game vs. Running game. Wem gelingt es, den Pass besser zu entlasten? Auf der einen Seite die geballte Erfahrung mit Frank Gore und ein Drake, der immer für ein big play gut ist. Auf der anderen Seite ein solides running game gegen z.T. In dieser Saison haarsträubende Verteidigung gegen den Lauf (alleine DET, HOU und CHI haben den Phins jeweils 200 Yards rushing eingeschenkt).
  • Special Teams: Jason Sanders kackt Eiswürfel und hat bis 60 Yards locker im Fuß. Jakkem Grant hat diese Saison jeweils schon einen Punt und einen KO die ganze Distanz getragen. Je öfter GB punten muss, umso gefährlicher wird’s da werden.. Im Gegenzug ist der Miami-Punter Matt Haack in der Form seines Lebens. Rodgers und Co. Müssen sich auf lange drives einstellen, wenn sie punkten wollen (Haack war letzte Woche AFC Special teams player of the week; da gehen alle Punts in der 20 runter).

 

6. Wie ist dein Tipp für unser Aufeinandertreffen und welche „Bold Predictions“ kannst du uns mit auf den Weg geben?

Hier ist bei mir Herz vs. Verstand angesagt. Klar, die Packers sind auf den ersten Blick haushoher Favorit. Auf den zweiten Blick ergeben sich aber für die Dolphins Chancen, eine Überraschung zu schaffen. Ich habe in unserer Webshow 24:23 auf Miami getippt – sobald die Packers aber diese Anzahl an Punkten überschreiten, wird Miami offensiv nicht gegenhalten können.

Bold prediction zum Schluss (Dolphins-Insider):

  • Miami wird den ersten Drive in einen TD verwandeln. Da stehen die Phins ligaweit an 1 mit 19 vergeblichen Versuchen in Folge – aber Sonntag klappts.
  • Minkah Fitzpatrick intercepted Rodgers für eine Pick 6

 

 

Das war es von Tobias. Wir bedanken uns ganz herzlich bei ihm, dass er sich die Zeit genommen hat uns unsere Fragen ausführlich zu beantworten! Zudem wünschen wir beiden Seiten ein geiles Spiel ohne weitere Verletzungen!

Wie immer wurde der Text unbearbeitet übernommen.

 

 

Im Beitragsbild verwendetes Bild: © Evan Siegle

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