Kolumnen Season 2018

„Enemy Territory“ Minnesota Vikings-Edition – Week 2 / 2018

Auch diese Woche haben wir es uns nicht nehmen lassen und einen Fan unseres kommenden Gegners um seine Meinung zu verschiedenen Punkten gebeten.

Diese Woche steht uns Stephan von den „Minnesota Vikings Fans Germany e.V.“ Rede und Antwort, den ihr bereits aus dem letzten Jahr kennt.

 

1. Neben einer sehr guten Defense konnten die Vikings insbesondere im letzten Jahr offensiv ordentlich zulegen. Wie groß daran war der Anteil von eurem letztjährigen Offensive Coordinator Pat Shurmur (Anmerkung: inzwischen Head Coach bei den Giants)? Wie wirkt sich die Verpflichtung von John DeFilippo auf das Abschneiden der Offense aus?

Der Anteil von Shurmur war sehr groß. Durch sein sehr auf West-Coast ausgerichtetes Scheme, wurde einerseits die Offensive Line durch schnelle Pässe entlastet, andererseits hat man das System den Schwächen unseres letztjährigen Quarterbacks Case Keenum gut anpassen können. Keenum hat immense Probleme wenn es darum geht, das Feld zu lesen. Durch aufeinander aufbauende Passing Routen bekam er vereinfachte Reads und spielte so (auch dank Receivern die öfter ungenaue Zuspiele verwerten konnten) über seinem eigentlichen Potential.

DeFilippo kommt auch aus der Schule der West-Coast Offense, lässt aber eine Scheme spielen die mehr College-orientiert ist. Vor dem Snap ist immer Bewegung, der Quarterback muss mobil sein, damit er das Pocket via Rollout verlassen und während dem Laufen werfen kann und der Running Back ist ein zentraler Receiver, nicht nur ein Check Down Element.
In Week 1 sah das soweit ordentlich aber noch nicht sehr gut aus, man wird sehen wo offensiv die Reise hingeht.

 

2. Das QB-Karussell hat sich in Minnesota in den vergangenen Jahren doch recht schnell gedreht (8 verschiedene Starting QBs seit 2013). Wie gut wird sich Cousins einfügen und wie wichtig ist es, dass nun voraussichtlich etwas Ruhe auf der Position einkehrt?

Nun, gerade in den letzten paar Jahren waren die Wechsel auf der Position teils unverschuldet, etwa bei den Verletzungen von Teddy Bridgewater und Sam Bradford. Man hat sich in der letzten Offseason gegen Case Keenum entschieden, was ich persönlich für absolut richtig erachte und geht jetzt mit Kirk Cousins ins dreijährige Titelfenster. Der ganze Kader ist darauf aufgebaut, da bin ich natürlich froh, dass man einen gestandenen Passer langfristig binden konnte. Bisher wurde klar, dass der 30-Jährige alle Qualitäten eines Franchise Quarterbacks neben dem Platz erfüllt. Nun muss er das auf dem Platz noch zeigen, am besten gleich diesen Sonntag. 😉

 

3. 2017 hatte man die vielleicht einmalige Gelegenheit an einen Super Bowl im heimischen Stadion teilzunehmen. Wie sehr schmerzt es, dass man die Gelegenheit nach dem spektakulären Last-Second-Sieg gegen die Saints dann doch verpasst hat? Wie schätzt du die Chance ein, dass es dieses Jahr mit der Reise nach Atlanta klappt?

Natürlich schmerzt das. Die letzten Jahren waren doch eher weniger erfolgreich, seitdem Zimmer Head Coach ist, geht es aber klar bergauf. Dann diese Klatsche durch die Eagles zu erleben, das tat schon extrem weh. Aber hilft ja nichts! Die Jungs haben jetzt erneut die Möglichkeit und ich sehe Minnesota wieder im absoluten Favoritenkreis. Das Problem dabei: Das sind in der NFC so einige. Sechs Teams, darunter auch euch, traue ich den Weg in den Super Bowl zu. Während die AFC mal wieder von wenigen Mannschaften dominiert wird, sehe ich in unserer Conference ein Hauen und Stechen um die Playoffplätze. Und dann entscheiden im Januar sowieso Kleinigkeiten und Glück. Wir Vikings sind mit einem tollen Kader gut gewappnet, man wird sehen wie man sich im Laufe der Saison schlägt.

 

4. Die NFC North wird von vielen Experten als die härteste Division der Liga gesehen. Wie schätzt du die aktuellen und zukünftigen Machtverhältnisse innerhalb der Division ein?

Wie gesagt, mit Green Bay und Minnesota gibt es gleich zwei Titelkandidaten. Außer die NFC South, kann das keine andere Division in der Liga von sich behaupten. Die Bears sind ein aufstrebendes Team, dass den Umbruch beinahe vollzogen hat und diese Saison ein paar mal überraschen wird. Für die Playoffs ist es wahrscheinlich noch ein, zwei Jahre zu früh, sollte Trubisky aber den nächsten Schritt machen, wird in Zukunft mit ihnen zu rechnen sein. Von Detroit bin ich dagegen nicht überzeugt. Ich vertraue weder dem Head Coach noch dem Quarterback und die Defense war auch vor der herben Niederlage in Week 1 ein Problem. Es würde mich nicht wundern, wenn Detroit im nächsten Draft in den Top 8 pickt.

 

5. Die Vikings haben in den vergangenen zwei Jahren darauf hingearbeitet ein ordentliches Salary-Cap-Polster aufzubauen und haben in der Offseason einige Spieler (wieder) verpflichtet, den Vertrag verlängert und auch ziehen lassen. Welcher Offseason Move war der Beste? Welcher der Schlechteste? Welche Auswirkung haben die Verpflichtungen auf die zahlreichen Free Agents kommende Saison?

Der beste war meiner Meinung nach die Entscheidung sich von Keenum zu trennen und das aktuelle Fenster mit dem bestverfügbarsten Quarterback aufzustoßen. Aber auch die relativ günstige Verlängerung von Defensive End Danielle Hunter gehört da dazu. Der schlechteste: Einen Kicker im Draft zu ziehen. Kicker und Punter haben zu wenig Einfluss auf das Spiel um dafür Draftkapital zu opfern, zumal wir mit Kai Forbath einen ordentlichen Veteran hatten. Der Pick bleibt für mich unbegreiflich.

Mit Sheldon Richardson, Anthony Barr und Nick Easton laufen nächstes Jahr bei drei Startern die Verträge aus, dazu muss man bei Cornerback Trae Waynes die Entscheidung fällen, ob man die 5th-Year Option des einstigen Firstrounders zieht. Ich schätze, dass zwei Starter sicher bleiben werden. Von dem oft prognostizierten Ausverkauf kann also keine Rede sein. Aber klar, Qualität im Kader kostet Geld und führt früher oder später zu harten Entscheidungen.

 

6. Starke Defense, starke Offense. Wie müssen McCarthy, Philbin und Pettine ihren Game Plan aufbauen, damit sie die Vikings am Sonntag schlagen können? Auf welche Spieler oder Matchups müssen sie besonders aufpassen?

Dalvin Cook muss aus dem Passspiel nehmen, dafür müssen eure Coverage Linebacker einen guten Tag erwischen. Außerdem ist unsere Line besonders über inside Pressure anfällig. Das fiel auch gegen die 49ers letzte Woche auf.

Auf der anderen Seite muss der Ball schnell geworfen werden. Everson Griffen wird oft als bester Passrusher unseres Teams gelobt, wenn die Eindrücke aus Preseason und Week 1 nicht trügen, ist Danielle Hunter gerade dabei ihm diesen Rang abzulaufen.
Letzte Woche hatten wir große Probleme gegen Tight Ends. Gerade Middle Linebacker Eric Kendricks sah da ein paar mal nicht gut aus. Ich glaube ihr habt einen ganz ordentlichen Catching Tight End, über den sollte der Gameplan aufgezogen werden.

 

 

Wir bedanken uns bei Stephan, dass er sich die Zeit genommen hat und wünschen den beteiligten Teams ein spannendes, faires und verletzungsfreies Spiel!!

Ich selbst habe den Kollegen von „Minnesota Vikings Fans Germany e.V.“ ebenfalls die ein oder andere Frage in gewohnter Art und Weise „kurz und prägnant“ beantwortet.

Das Interview findet ihr hier.

 

– Marco

LEAVE A RESPONSE

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere