Allgemein Packer Lexikon

Touchdown, Out of Bounds – oder Ballbesitz Packers?

Der folgende Beitrag ist ein Gastbeitrag von @NikxxMisan, in dem euch die Regel nähergebracht wird, die für die kuriose Szene im Spiel am Sonntag gegen die Bears verantwortlich ist. In der Szene wird aus einem Beinahe-Touchdown der Bears ein Touchback mit Ballbesitz für die Packers.

Wie kam der kuriose Touchback im Spiel gegen die Bears zustande?

Viele US-Medien haben es aufgegriffen und auch in den Game Highlights der NFL (Youtube, ab 2:26; in voller Länge gibt es die Szene auch nochmal extra) des Spiels Packers @Bears vom 10. Spieltag ist die Szene zu sehen, die wir jetzt mal genauer beleuchten wollen:

Die Bears sind in Ballbesitz, 3rd&13 an der gegnerischen 25yd-Line. Die Bears spielen ein Screen Play auf den Runningback Cunningham, der den Ball bis an die Packers-Endzone trägt. Die Bears-Spieler fordern einen Touchdown, die Referees callen zunächst Out of Bounds short to the Goalline. Die Bears sind sich sicher, dass der Football die Endzone-Pylone berührt hat, also nutzen sie die Möglichkeit, den Call zu challengen. Nachdem der Spielzug im Video angeschaut wurde, entscheiden sich die Referees um: Touchback – die Packers bekommen den Ball an der eigenen 20yd-Linie.

Doch wie wird aus dem von den Bears geforderten Touchdown ein Ballbesitz für unsere Cheeseheads?  Um das genauer zu erklären, ist es wichtig, die Anforderungen für Touchdown, Out of Bounds und eben den Touchback zu kennen.

Wann ist ein Touchdown wirklich ein Touchdown?

Klingt auf den ersten Blick sehr simpel, dabei stecken aber viele komplizierte Regeln hinter dem Spielziel, möglichst viele Touchdowns zu erzielen.

Es gibt den Weg durch die Luft – ein Pass des Quarterbacks (oder bei Trickspielzügen natürlich auch jedes anderen passberechtigten Spielers) auf einen Receiver – direkt in die Endzone. Hierbei ist es wichtig, dass der Receiver nach dem Passfang mit beiden Füßen nochmal den Boden der Endzone berührt, während er den Ball schon unter voller Kontrolle hat, bevor er den Ball wieder verliert oder er aus dem Spielfeld heraustritt.

Ein Spieler kann in die Endzone laufen. Egal ob der Ball zu einem Receiver geworfen wird und dieser von außerhalb seinen Weg in die Endzone sucht, der Ball an einen Runningback oder Receiver übergeben wird oder der Quarterback selbst in die Endzone läuft, hier gelten dieselben Regeln. Im Gegensatz zum Pass muss nicht der Spieler in die Endzone kommen, sondern der Ball. Wenn man es ganz genau nimmt, muss der Ball auch nicht in die Endzone kommen, sondern die Linie der Endzone nur minimal „berühren“. Ist also die Spitze des Balls über der Endzone-Linie, ist es ein Touchdown. Da die Pylonen nur die Ecken der Endzone markieren, gilt eine Berührung der Pylone von vorne ebenfalls als minimale Überschneidung mit der Endzone und somit als Touchdown.

So passierte es aber hier, der Ball berührte von vorne die Pylone – wieso war es denn jetzt kein Touchdown?

Zum einen war der linke Fuß von Cunningham minimal vor der Berührung zwischen Ball und Pylone im Aus. Somit ist der Spieler außerhalb des Spielfelds („Out of Bounds“) und das Play ist gestoppt. Zum Zeitpunkt, als der Ball die Pylone berührte, war das Play also schon unterbrochen – kein Touchdown. So hatten es die Schiedsrichter ja auch in ihrer ersten Entscheidung richtig bemerkt.

Jetzt ist aber zwischen einem neuen ersten Versuch und wenigen Inches zur Endzone für die Bears und Ballbesitz Green Bay auch noch ein Unterschied – was war hier also falsch?

In den Ausführungen zu einem Rushing-Touchdown fehlt noch ein wichtiger Punkt: Der Läufer muss die ganze Zeit über die Kontrolle über den Ball haben. Für unsere Packers zum Glück verlor Cunningham die Kontrolle über den Ball nicht nur, bevor der Ball die Endzone-Pylone berührte, sondern auch, bevor er mit dem Fuß die Spielfeldbegrenzung berührte. Nach dem Regelwerk fand hier also ein ganz normaler Fumble statt – der Läufer hat den Ball fallengelassen.

Ein Fumble in die Endzone – und wieso bekamen wir jetzt den Ball?

Passiert in der Mitte des Feldes ein Fumble, ist die Regelung klar: Das Team, das den Ball zurückerobert, hat den Ballbesitz für sich gewonnen bzw. behalten.

Rollt oder fliegt der Ball außerhalb der Spielbegrenzung, so hat das Team den Ball, das zuletzt in Ballbesitz war – und zwar an der Stelle, an der der Ball aus dem Spielfeld rollte. Es ist also rein theoretisch sogar möglich, sich ein neues First Down zu „erfumbeln“. Besonders werden die Szenarien aber, wenn der Ball in die Endzone rollt.

Rollt der Ball in die Endzone und das angreifende Team kann den Ball erobern, bevor er ins Aus rollt, so ist das ein Touchdown. So geschehen beispielsweise 2015, als Atlantas Freeman den Ball fumbelte und Julio Jones ihn in der Endzone zum Touchdown eroberte.

Rollt der Ball in die Endzone und das verteidigende Team kann den Ball erobern, bevor er ins Aus rollt, dann ist das ein Touchback. Das funktioniert genauso wie bei einem Punt. Wird der Ball in der Endzone aufgenommen und der Spieler verlässt die Endzone nicht, dürfen sie im nächsten Versuch an der eigenen 20 anfangen.

Es ist bestimmt schon aufgefallen, dass ein Szenario noch fehlt:

Der Ball rollt oder fliegt in die Endzone – und dann ins Aus. Wie auch bei einem Punt gibt es hier einen Touchback, wenn der Ball über die Endzone hinaus ins Aus geht.

Und wie wir ja vorher erfahren haben: Schon eine Berührung der Endzone-Pylone gilt als „Ball in der Endzone“. Die Aktion des Bears-Spielers Cunningham war also ein Fumble in die Endzone und dann ins Aus – Touchback.

Da das alles den Referees im Spiel selbst aber gar nicht aufgefallen ist, bleibt uns zum Abschluss nur eines zu tun:

Danke, John Fox, dass du den „Out of Bounds“-Call der Referees gechallenged und somit zu unseren Gunsten verändert hast!

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