Allgemein Rückschau Season 2018

Review Seahawks: Die Strafen, McCarthy… und Rodgers!

Green Bay Packers 24 – 27 Seattle Seahawks

Erstmal sacken lassen. Unsere Packers stehen bei 4-5-1 und stehen am Rande vom erneuten Rausfliegen aus dem Superbowl-Rennen schon vor den Playoffs. Mein Herz ist ein emotionales Chaos und so geht es wohl vielen Packers-Fans, die dieses Spiel gesehen haben. Von JAAAAA wechselt das Gefühl zu OH NEIIIIN in wenigen Sekunden. Von OH MAN, RODGERS!!! wechselt es zu Oh, man… Rodgers… in wenigen Sekunden. Aber fangen wir mit dem positiven an.

Nach einem Blitzstart gingen wir schnell in Führung. Die Packers gewinnen den Coin Toss, wollen Kicken. Im allerersten Play kommt es bei einem Tackle von Matthews und Martinez (statistisch bekam Matthews den Forced Fumble zugeschrieben) zu einem Fumble von Carson, den Tramon Williams aufnehmen kann. First Down an Seattles 29! Graham, Jones, Jones, Touchdown Packers! Nach einem 3 & Out für die Hawks können die Packers nur ein Field Goal-Versuch nachlegen – auf einen schlechten Snap von Hunter Bradley folgt ein unperfekter Hold von Scott und der Kick geht links neben die Goal Posts – immer noch 7:0.

Nach einem Seahawks-Field Goal bringt uns eine 54 Yards-Bombe auf Robert Tonyan den nächsten Touchdown. Nach dem furiosen 14:3-Start kam die Offense dann ins Straucheln. Zwei Seahawks-Touchdowns bringen uns den ersten Rückstand, doch mit 5 Minuten vor der Halbzeit schaffen wir es nochmal übers Feld und die Aarons holen mit einem wunderschönen Lob-Pass von Rodgers auf Jones den nächsten Touchdown zur 21:17-Halbzeitführung.

Im dritten Quarter folgt ein Punt-Festival im Century Link Field, das erst im 4. Quarter mit einem Seahawks-Field Goal beendet wurde. Die knappe 1 Punkte-Führung können wir nur durch ein Field Goal ausbauen – 24:20 und noch 8:23 Minuten zu spielen. In guten 3 Minuten führt Russel Wilson seine Offense übers Feld – allein 52 Yards trug Tyler Lockett mit zwei Catches dazu bei. 5 Minuten zu spielen. Rodgers-Time! „Einmal übers Feld, Zeit runterspielen, Touchdown, Sieg“ – die Gedanken eigentlich jedes Packers-Fans zu dieser Zeit.

Das Ergebnis: Anstatt kurz auf den freien Aaron Jones zu spielen, hält Rodgers den Ball viel zu lange und wirft den Ball in Richtung EQ weg – weit nicht fangbar, viel zu kurz. Bei 2&10 findet Rodgers das erste Mal im Spiel MVS, der kann aus 6 Yards durch einen Lauf Sideline to Sideline jedoch nur 8 machen und so müssen wir für 3&2 ran. MVS macht 2 Schritte nach vorne, dreht sich um, hat Platz….. Und Aaron Rodgers, der bestbezahlte Spieler der ganzen NFL, wirft einen kurzen Pass über 10m in den Boden statt in die Hände seines Receivers – 4&2. Mit knapp 4 Minuten übrig entscheidet sich McCarthy, an der eigenen 33 den vierten Versuch nicht auszuspielen, obwohl man nur noch ein Timeout übrig hat. Seattle läuft die Uhr runter und kniet ab dem 2 Minute Warning zum Sieg. Auf der Anzeigetafel steht ein enttäuschendes 24:27 aus Sicht unserer Packers.

Der Rookie-Tight End, der verschwendete Draft Pick, das Comeback-Kid und KYLER SACKRELL!

Fangen wir an mit Robert Tonyan. Der 4. Tight End der Packers hatte heute seinen ersten Catch – und was für einen! Von Linksaußen sprintet er das Feld tief, zieht in die Mitte und gewinnt das Duell gegen den Safety der Seahawks für einen 54 Yards Touchdown – Boom! Was für eine Bombe! Tonyan war die komplette Route lang offen, schon nach wenigen Schritten konnte er seinen Gegenspieler abschütteln und Rodgers wartete nur drauf, dass Tonyan in Position kam, um den Ball zum Touchdown zu fangen. Danach nicht mehr gesehen… Wieso?

JK „The Weapon“ Scott! Was für ein Draftpick. Musste viel zu oft ran und jeder Punt topte den vorherigen nochmal. Highlight war ein 46 Yards-Punt an die Seahawks-3 Yard-Line, der von Tony Brown gesichert wurde. Diese Hangtimes… Viele nennen es verschwendet, einen Punter im Draft zu holen, aber hey – JK Scott sorgt für richtig schwierige Feldpositionen für die Gegner. Wenn man so miese 3rd Downs spielt, ist ein Punter wie Scott enorm wichtig!

Die Special Teams werden später nochmal genauer unter die Lupe genommen, aber einer davon sah wirklich gut aus: Trevor Davis. Bei seinem Comeback nach der Verletzung returnte Davis sowohl Kicks als auch Punts und gab dem Ganzen viel mehr Sicherheit. Bei Kicks in die Endzone fängt er und kniet ruhig ab, bei Punts davor fängt er sicher und rennt los, ohne dass man Angst haben muss, dass der Ball gleich weg ist. Zumindest mir hat es Ruhe gegeben, dass Davis da hinten steht.

Kyler „Sackrell“ Fackrell. Mit 3 (!) Sacks ist er der einzige, der gegen die Seahawks den Quarterback (mit Ball) zu Boden ringen konnte, dazu kommt noch ein weiterer Quarterback-Hit, bei dem Wilson den Ball nach Kontakt grade noch los wird. Ich habe mich oft über Fackrell aufgeregt, aber heute kann ich nur sagen: Chapeau, Sackrell! Wow! Mit 8 Sacks führt er die Packers in Sacks an – die Packers führen derzeit die NFL mit Sacks an (31 vor dem Spiel, jetzt 34). Ich bin immer noch der Meinung, dass Fackrell vieles sehr geschenkt kriegt, aber am Ende trifft er den Quarterback – und das zählt. Dazu hat er noch einmal einen Pass geblockt, den Wilson wieder fing und der zu einem -11 Yards „Tackle“ von Clay Matthews führte.

Davante, die Defense, die OLine und ein Aaron – die „OK“-Kategorie

Zugegeben: Aaron Jones selbst war nicht OK, Aaron Jones war grandios! Aber sein Einsatz durch McCarthy und Rodgers erlaubt es mir einfach nicht, das Running Game um Jones in die Top-Kategorie zu packen. 11 Läufe für 40 Yards und einen Touchdown sind VIEL zu wenig! Dazu kommen 5 Pässe (einmal Incomplete, weggeworfener Ball von Rodgers) für 63 Yards und einen weiteren Touchdown durch die Luft. Klingt nicht schlecht, aber da wär noch so viel mehr zu holen gewesen. 3&2. 1&10, 75 Yards in 5 Minuten zu gehen. Das gesamte dritte Quarter. So oft verpasste man es, Aaron Jones noch besser in Szene zu setzen.

Auch Davante Adams‚ Statistiken sehen nicht nach OK sondern eher nach „Super“ aus. 10 von 12 Pässen gefangen, 166 Yards, 57 im Top-Play, ABER: Kein Touchdown. Bei mehreren Redzone-Aufenthalten konnte Adams sich in der Endzone nicht freilaufen, sodass Rodgers ihm den Ball zuwerfen kann. Außerdem war das alles zu eindimensional. Ganz lange ging alles entweder kurz auf Jones oder tief auf Adams. Die Hälfte der Catches und über ein Drittel der Targets gehen an Adams, so kann man kein Spiel gewinnen.

Die Defense konnte nach dem Forced Fumble im ersten Drive insgesamt 3 Sacks sammeln (alle Fackrell). Vor der Halbzeit folgten auf den Turnover 2 3&Outs (4 insgesamt). Zwei Mal konnte man die Seahawks beim Field Goal halten. Und auch vor der Halbzeit lies man keine zweite Fail Mary zu, sondern verteidigte konsequent und stoppte die Seahawks zur Halbzeitführung. Am Ende sind 27 Punkte zuviel, aber mit dem Turnover kurz vor der Endzone und sehr vielen Ballgewinnen für unsere Offense hat unsere Defense sehr gut gegen gehalten.

Die Protection der Offensive Line war sowohl bei den Läufen als auch im Passing Game OK. Manchmal besser, manchmal schlechter – selten herausragend, selten richtig schlecht.  An den Jungs lags heute nicht, auch wenn sie Rodgers das ein oder andere Mal noch eine Sekunde mehr Zeit hätten geben können – in den meisten Fällen hatte Rodgers genug Zeit und hat trotzdem nichts daraus gemacht.

Die Restetonne

Hunter Bradley. Wie schwer kann es sein, so einen Scheiß Ball ordentlich nach hinten zu werfen? Das ist seine einzige Aufgabe! Mein Gott, waren die Snaps schlecht. Mehrmals konnte Scott das noch retten, aber beim verschossenen Field Goal war das vermutlich nicht mehr schnell genug möglich. Bradley hat jetzt 10 Tage Zeit, um seine Arschbacken zusammenzukneifen und ordentlich snappen zu lernen, sonst sehe ich schwarz, dass er nächste Saison noch im Roster der Packers sein wird.

Verletzungen der Key-Player halten an. Jimmy Graham (Daumen), Beshaud Breeland (Leiste) und Raven Greene (Knöchel) mussten schon in der ersten Hälfte das Feld verlassen. Mike Daniels kam dann mit einer Fußverletzung noch dazu und konnte das 4. Quarter nicht mehr mitspielen. Im Laufe des vierten Viertels musste dann schließlich auch Kenny Clark vom Feld, sodass unsere Defense in der Crunch Time des Spiels mit Campbell, Brown, Adams und Lancaster auskommen musste – das hat definitiv nicht dabei geholfen, der Seahawks-Offense im entscheidenden Moment nochmal in den Hintern zu treten.

Play Calling-Entscheidungen von Mike McCarthy und Aaron Rodgers. Nur 11 Läufe für Aaron Jones! Kein Jones bei 3&2. 4&2 hat man gar nicht mehr versucht. Dazu kommen auch sonst einige fragwürdige 3rd Downs, bei denen nahezu alle Receiver sehr tief ins Feld laufen und auch sonst viele komische Plays. Das war echt grenzwertig. Wer auch immer dafür verantwortlich ist (vermutlich fordert Rodgers es und McCarthy gibt es ihm): Hört auf, den ganzen Druck auf Rodgers zu legen, wenn er es derzeit nicht leisten kann, Jones es aber könnte! Verdammt nochmal! Vergleicht einfach Halbzeit 1 und 2 miteinander, das Laufspiel um Jones ist der große Unterschied, nutzt ihn!

Die Strafen. Da gibt es unnötigen Scheiß wie die 48 Yards-Pass Interference von Raven Greene, bei der er eine einfache Interception liegen lies und die Pass Interference verursachte, weil er sich schlichtweg nicht zum Ball drehte und Lockett viel zu früh attackierte, genauso wie das Holding abseits des Returns von Trevor Davis durch Korey Toomer, das einen 53 Yards-Return zunichte machte – allgemein waren die Special Teams heute wieder mit vielen Strafen und vielen dämlichen Plays dabei. Aber wenigstens keine Fumbles mehr!

Und auch die Refs haben wieder ihr Unwesen getrieben. Tony Corrente und seine Mannen, die schon gegen die Vikings einen großen Anteil am verlorenen Sieg hatten, trieben auch gegen die Seahawks ihre Spielchen. Beginnend mit einem falschen „Illegal Block“ gegen EQ bei einem handelsüblichen Block ging es weiter zu einer klaren, nicht gegebenen Pass-Interference für Davante Adams und gipfelte in einem overturnten Call bei einem gedropten Pass, der so einfach nur falsch war. So ein Quatsch! Das Spiel haben die Packers um Rodgers verloren, aber die Schiedsrichter waren noch viel schlechter!

Aaron Rodgers

Rodgers kriegt eine eigene Kategorie. Wieso? Weil man ihn nicht einsortieren kann. Sein Pass auf Tonyan war grandios. Der TD-Pass auf Jones war perfekt getimet. Und auch das tiefe Play auf Adams war stark. Und dann kommen wieder so Dinger, wo er den Checkdown auf Jones nicht nimmt, sondern lieber gesackt wird. Oder wo er den kurzen Screen Pass nicht trifft. EINEN SCREEN-PASS! Wie schwierig kann das sein? Das macht Pat Mahomes mit links im Fallen.
Aaron Rodgers nimmt allen Druck auf sich, in jedem wichtigen Play. Solange man frei spielen kann, wird Aaron Jones eingebaut, aber wenn es wichtig wird, will Rodgers es alleine machen. Und dann reicht ihm derzeit nicht, ein First Down zu erreichen, es muss immer das Big Play sein. Jeden Spielzug. Zu jeder Zeit. Zugegeben: Einen Touchdown wie den von Tonyan bspw. hätte es ansonsten nicht gegeben, aber dafür hätte man viele verpasste 3rd Down-Conversions positiv erfüllen können. 3 von 11 ist hier einfach eine viel zu schlechte Statistik, um irgendwas zu reißen. 21/30 für 332 Yards, 2 Touchdowns und ein QB-Rating von 128.8 sind wieder beeindruckende Stats, in den entscheidenden Momenten konnte Rodgers aber nicht abliefern und hatte erneut einen riesigen Anteil daran, dass man verlor. 9 Incompletions und 5 Sacks – davon 4 bei 3rd Downs – sind einfach nichts, womit man Spiele gewinnt. Das muss besser werden!

Run The Table oder Tank the Draft?

4-5-1 ist ein schlechter Record. Alle 5 Auswärtsspiele verloren, das ist der schlechteste Auswärts-Start seit 1979. Wir haben noch 6 Spiele über, davon einige Brocken (Vikings, Bears). Wenn wir alle 6 Spiele gewinnen, stehen wir bei 10-5-1, das sollte hoffentlich für den 2. Wildcard-Spot reichen. Sollten wir auch nur noch eine Niederlage einsammeln (maximal 9-6-1), ist es nahezu unmöglich, so in die Playoffs zu kommen. Ab jetzt ist jedes Spiel ein Playoff-Spiel. Entweder Rodgers schafft wieder einen „Run the Table“ oder wir können anfangen, mehr Niederlagen zu sammeln, damit Brian Gutekunst und dann vermutlich auch ein neuer Head Coach im Draft ordentlich Kapital für einen „Soft Rebuild“ übrig haben.

Sehen wir’s positv: #RunTheFreakingTable !

#GoPackGo

**Es handelt sich hierbei um die Meinung des jeweiligen Autors. Diese steht nicht für einzelne Mitglieder oder das komplette Autoren-Team der Packers Germany.**

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