Allgemein Kolumnen

My2Cents- Das Sommerinterview

Das Sommerinterview mit J.J. Sharingan

Vor ein paar Wochen wurde mir ein Facebook Posting in die Timeline gespült, im ersten Moment war ich nicht besonders interessiert, aber da dieser Post von einem mir geschätzten Kollegen als „besonders Lesenswert“ eingestuft wurde, beschloss ich den Link doch zu öffnen und was ich dort las, machte mich mehr als sprachlos.
Dort beschrieb eine junge Frau ihr Gefühl, wie sie American Football empfindet. Ein emotionaler Post, eine Liebeserklärung an den Sport, den Sport den wir alle so sehr lieben. Als Schreiberling, ehemaliger Spieler und aktueller Coach konnte ich jedes Wort mitfühlen und schon im dritten Absatz des Textes war mir klar, ich muss diese Frau interviewen. Eine Frau die American Football spielt, in Deutschland, und so eine Liebeserklärung schreibt, da musste ich einfach anfragen. Uns was soll ich sagen, meine Anfrage wurde mit einem freundlichen „Ja klar, gerne!“ beantwortet. Also genug geschwafelt, legen wir los.

Das Sommerinterview mit JJ Sharingan.

PG: Hallo JJ, danke erstmal für deine sofortige Zusage. Stell dich doch unseren Lesern erstmal vor.

JJ: Hi,! Also ich bin JJ, bin 32 Jahre jung und begeisterter Football Fan. Mein Herz schlägt für die Minnesota Vikings, die meiner Meinung nach einfach nur eine Hammer Saison hatten. Ich selbst spiele seit knapp 3-4 Jahren selber Football und bin Left Tackle Guard. Center, sowie Nosetackle spiele ich ebenfalls.

PG: Frauen im American Football in Deutschland, das haben die wenigsten Fans auf dem Schirm. Wie bist du zum Football gekommen und wie sieht es mit Frauen-Teams generell aus?

Viele Fragen sich was mich daran so sehr fasziniert, weshalb ich mich in dieser Wärme in eine Rüstung packe, wieso ich Verletzungen und Schmerzen in Kauf nehme und oftmals lange Wege zu den Spielen zurück lege.
Die Antwort ist ganz simple.
Es ist einfach der geilste Sport der Welt.

( JJ in ihrem Beitrag bei Facebook)

JJ: Ein Bekannter hatte mich damals zu seinem Spiel eingeladen, er spielte bei den Bocholt Rhinos. Bis dato wusste ich nicht mal, dass knapp 5km von mir entfernt eine American Football Mannschaft besteht. Ich bin dann zum Spiel gegangen und war fasziniert. In der Halbzeit wurde dann der Aufruf gestartet, dass noch Frauen für die bereits vor kurzem gegründete Frauenmannschaft, den SheRhinos, gesucht werden. Ich habe mich dann dort gemeldet und ein paar Tage später bin ich zum Probetraining gegangen. Es stimmt, es gibt wenig Leute, die Frauenfootball auf dem Schirm haben und das, obwohl es wirklich sehr viele Frauenmannschaften gibt. Sowohl im 5er-, im 9er- und auch im 11er-Tackle. Die SheRhinos waren eine 5er Tackle Mannschaft. Also hat meine Footballkarriere im 5er Tackle angefangen.

PG: Gibt es Ligen für Frauen 5er-, 9er- und 11er-Tackle oder läuft es nur auf Freundschaftsspiele hinaus?

JJ: Es gibt tatsächlich Ligen. Im 5er Tackle werden die Spiele in Tunieren ausgetragen. Dazu kommen dann 3 Teams zusammen und spielen an einem Tag 3 Spiele. Im 9er Tackle gibt es die Regionalliga und dann kommt auch schon direkt die 2. Bundesliga und die 1. Bundesliga wird dann im 11er Tackle ausgetragen. Im 9er und 11er Tackle werden die Spiele genauso ausgetragen wie auch in den Herrenmannschaften.

PG: Wie sind die Reaktionen von anderen Football Fans, wenn sie hören, dass du Football selber spielst? Ist es eher diese „Wieso machst du nicht Cheerleader?“-Reaktion, oder nehmen dich andere Football Fans und Spieler absolut ernst?

JJ: Ich werde sehr ernst genommen in dem, was ich tue. Ich betreue ja auch die Bocholt Rhinos (Herrenmannschaft) zusammen mit einer ehemaligen Footballspielerin in medizinischer Hinsicht (wir beide haben eine Ausbildung im medizinischen Bereich). Und wenn ich selber Gameday habe, dann kommen die Bocholt Rhinos und feuern uns an. Ich habe damals die SheRhinos verlassen und bin nach Köln zu den Cologne Falconets gegangen, die 9er Tackle gespielt haben in der 2. Bundesliga (diese Saison spielen sie 11er Tackle in der 1.Liga) und habe dort viel mitnehmen können. Aufgrund meiner Arbeit und den weiten Wegen von Bocholt nach Köln, habe ich es nicht mehr geschafft. Ich bin dann zu den Cleve Conquerors Ladies gewechselt, die diese Saison das erste mal 9er Tackle spielen und habe dort meine Familie gefunden. Um auf deine Frage zurück zu kommen: Egal ob es bei den Cologne Falconets war oder jetzt bei uns, den Cleve Conquerors Ladies, bei Heimspielen ist die Bude nahezu voll. Und auch wenn wir auswärts spielen, ist es bei den Gastgebern ähnlich.

PG: Du hast ja bei Facebook vor einiger Zeit eine vielbeachtete Liebeserklärung an unseren Sport verfasst, die auch viele alte Veteranen und Sportmoderatoren und Kollegen der schreibenden Zunft geteilt haben. Wie kam es zu diesem Post bei Facebook?

JJ: Ja, das hat mich selber mehr als überrascht und ich bin immer noch überwältigt von der Resonanz. Generell muss ich sagen, dass ich immer mein Herz sprechen lasse. Keines der Worte war auch nur ansatzweise durchdacht sondern ich hab angefangen meine Gefühle niederzuschreiben. Am Ende kam dann der besagte Text heraus. Ich fühle mich im Football sehr wohl. Jegliche Sorgen und negative Gedanken kann ich vergessen, wenn ich im Training oder im Spiel bin. Wir spielen in der Regionalliga West mit insgesamt 6 Mannschaften. Wir haben also einige Gamedays und treffen natürlich auf einige Mannschaften. Auch wenn wir auf dem Feld Gegner sind, so haben sich neben dem Feld viele Freundschaften entwickelt. Wir gehen immer respektvoll miteinander um und wir alle stehen für Fairness. Zudem verbindet uns die Liebe zum Sport. Eines der schönsten Komplimente ist es, wenn die Coaches der gegnerischen Mannschaft einen loben für das, was man geleistet hat – ebenso wie viele Spielerinnen. Es gibt schon die ein oder andere Spielerin eines gegnerischen Teams wo ich sage, „Hmm so würde ich gerne spielen, genau so“. Ich motiviere und verbessere mich dadurch. Es ist auch toll, wenn man zu den Gegnern kommt und dort gefragt wird „Habt ihr eine Physio? Wenn nicht, wir versorgen euch gerne mit!“ Oder man wird zum anschließenden Grillen bei den Gegnern eingeladen. Diese Gefühle spiegeln sich alle in dem Post bei Facebook wider. Wir stehen füreinander ein, egal ob wir im selben Team sind oder nicht. Natürlich steht das Gewinnen mit dem eigenen Team ganz oben. ? Ich habe in dieser Saison bisher nur tolle Erfahrungen mit den bisherigen Gegnern gemacht und möchte diese Zeit nicht missen, ich freue mich auch schon darauf, alle zu den Rückspielen wiederzusehen!

PG: Da wird #FootballisFamily wirklich gelebt! Gab es denn auch negative Reaktionen oder durchweg positive?

JJ: Ja, das kann man so sagen, #FootballIsFamily in jeder Hinsicht. Es gab durchweg positive Reaktionen und nicht eine negative.

PG: American Football hat durch die regelmäßigen Übertragungen bei Pro7Maxx einen unglaublichen Zuwachs an Fans, kommt das auch bei den Vereinen unterhalb der GFL an?

JJ: Ja, durch die Übertragungen ist das Interesse an solchen Spielen definitv gestiegen. Wie gesagt betreue ich die Bocholt Rhinos, diese spielen in der 6. Liga und kämpfen gerade um den Aufstieg, ebenso wie meine großen Brüder die Cleve Conquerors Seniors, die spielen ebenfalls in der 6. Liga mit den Rhinos, und egal ob in Bocholt oder in Cleve, der Zuschauerzuwachs ist extrem. Mittlerweile wird auch nicht nur noch Football gespielt sondern es wird in vielen Vereinen auch ein Rahmenprogramm geboten. Ich hoffe sehr, dass das Verständnis für Frauenfootball auch noch mehr steigt, als es bereits ist. Cheerleader laufen auf, Rauchraketen begleiten das Einlaufen der Mannschaften und Maskottchen sind auch an der Tagesordnung.

PG: Ich glaube ja, dass viele Mädchen aufhören, weil sie nach der U13, die ja Mixed Teams erlauben, leider kaum Anschluss finden. Sie sind dann zu jung um schon bei den Frauenteams mithalten zu können, aber meistens auch zu gut, um im Flag Football versauern zu wollen. Sollten die Teams vielleicht versuchen verstärkt Mädchen im Alter von 13 – 16 zu begeistern? Wie siehst du als aktive Spielerin diese Thematik?

JJ: Ich kann nur sagen, dass Mädchen definitv verstärkt begeistert werden sollten, denn wir haben viele tolle Talente da draußen. Bei uns im Team haben wir auch Mädchen, die diese Saison das erste mal spielen, weil sie gerade 15 geworden sind. Wir haben aber auch noch ein riesen Talent bei uns, die noch zarte 14 Jahre jung ist und erst ab nächster Saison mit aufs Spielfeld als aktive Spielerin darf. Wir haben 2x die Woche Training und sie ist 2x die Woche anwesend, sie trainiert hart und saugt das weitergegebene Wissen nur so auf. Wir alle freuen uns schon sehr, wenn sie nächste Saison spielen darf, denn seit etwas mehr als einem Jahr trainiert sie schon bei den Cleve Conquerors Ladies und ist mehr als nur gut. Ich finde es nicht schlimm, wenn Mädchen mit 13 oder 14 noch nicht aktiv spielen dürfen, so haben sie mehr Zeit sich zu entwickeln, können Spiele begleiten, auch die Kette machen und lernen immens viel und wenn sie dann endlich spielen dürfen sind sie nicht aufzuhalten und man hat nicht nur ein tolles Familienmitglied, sondern auch eine Spielerin, die das Spiel versteht.

PG: Also quasi Football von Grund auf erlernen?

JJ: Genau, denn es reicht nicht nur auf dem Spielfeld zu stehen und ohne Angst in den Kontakt zu gehen, man sollte das Spiel auch verstehen und vor allem die gegnerische Offense/Defense lesen können. Beim Kickoff sollte man als Return Team schon erahnen können, wo das Lederei landen wird, wie die/der Kicker steht, welches das Standbein und wie der Winkel ist, in dem gekickt wird. Als LB sollte ich sehen können, ob es ein Pass oder ein Lauf wird. Wie guckt der QB, welches ist ihre starke Seite, wie steht sie hinter dem Center? Und als Offense sollte ich sehen, ob ein Blitz kommt oder nicht, ob der angesagte Spielzug möglich ist durch den Stand der gegnerischen Defense oder ob ich als Guard/Center vielleicht mal eben kurz einen Code ausrufen muss, wodurch der QB weiß, dass die andere Seite genommen werden sollte. Ich sollte auch sehen können, wie mein Gegenüber in der Defense steht, wie die Schulter steht, ob sie dazu tendiert, eher durch das Loch rechts oder links gehen zu wollen. Wie stehen ihre Füße und wo schaut sie hin? Das sind alles zwar keine großen Dinge, doch die machen den Unterschied. Und das alles können Mädchen im Training lernen, das verstehen, wann wie wo was gemacht werden muss.

PG: Wohl wahr, ich merke du liebst und lebst den Sport wirklich total aus. Hast du dir mal überlegt, später als Coach zu arbeiten?

JJ: Ja, Ich liebe diesen Sport, er hat mich verändert mir so vieles gegeben. Ich werde so lange es geht, selber aktive Spielerin bleiben, aber ja, ich werde definitv Coach werden, das steht fest. ?

PG: Das klingt doch nach einem Plan. Die letzten Worte hast du. Was möchtest du der Football Community noch sagen?

JJ: Das Frauenfootball genauso sehenswert ist wie Männerfootball. Dass Frauen genauso hart trainieren und genauso hart spielen wie Männer auch. Wir kommen, genauso wie die Männer, auch mit blauen Flecken, Brüchen, Wunden und Verstauchungen vom Platz. Football ist Familie und das wichtigste ist die gegenseitige Unterstützung, egal ob Jugendmannschaft, Damenmannschaft oder Herrenmannschaft.
1,2,3 AWAG!! (abgerechnet wird am Gameday)
?

Ich kann mich hier nur nochmal für das Interview bedanken. Wenn auch ihr Bock habt, selber auf den Platz zu gehen und diese Erfahrung machen wollt, schaut mal wann euer Verein in der Nähe wieder Training hat, es lohnt sich wirklich!

Links:

Cleve Conquerors Ladies

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