Allgemein Offseason 2019

Matt LaFleur aus Titanssicht

Um euch eine kleine Voraussicht darauf zu geben, wie es sich anfühlt, wenn LaFleur bei einem die Offensive Plays callt, haben wir Tim vom German Titans e.V. (TwitterFacebookInstagramWebsite) gebeten, eine kleine Einschätzung zum neuen Headcoach der Packers zu schreiben. Im Voraus vielen Dank an Tim und viel Spaß mit seinem Bericht!

Matt LaFleur, aus dem Trainerbaum von Mike Shanahan, kam als „Heilsbringer“ mit vielen Vorschusslorbeeren aus LA nach Nashville. Nachdem er nach seinem Interview als Titans Headcoach für diesen Job nicht berücksichtigt wurde (HC wurde Mike Vrabel), ging man davon aus, dass er die Stärken von Mariota zur Geltung bekommt und das Team nicht mehr nur auf Run und einer halben Hail Mary bei 3rd Downs ausgelegt ist, denn das Motto davor unter Terry Robiskie (Titans Offensive Coordinator 2016-17) lautete „RRPP“ (Run, Run, Pass, Punt). Es war die erste Station des neuen Packers-Headcoaches, bei dem er Plays ansagen durfte, was ihm zu seiner Zeit als Offensive Coordinator bei den Rams unter Headcoach Sean McVay verwehrt blieb.

Das erste Jahr als Playcaller glich wie die Saison der Titans einer Achterbahnfahrt. Bevor man die Leistung von LaFleur wirklich beurteilen kann, muss man die Vorfälle erwähnen, die schon beim ersten Spieltag ihren Lauf nahmen, denn die Titans Saison war geprägt von Verletzungen. Nach gut 30 Minuten beim längsten Spiel in der NFL-Geschichte in Miami wurde Mariota bei einem „Dirty Hit“ niedergestreckt und landete so blöd auf dem Arm, dass ein Nerv verletzt wurde und seine Finger/Hand taub wurden. Dieses Problem trat während der Saison öfter auf und veranlasste Mariota dazu, drei Spiele früher zu beenden (Miami, Indianapolis, Washington), zwei Spiele zu fehlen (Houston, Indianapolis) und eins von der Bank aus zu starten (Jacksonville). Des Weiteren fiel am ersten Spieltag direkt Delanie Walker, der Pro Bowl-Tight End, direkt für die komplette Saison aus und beim Heimspiel gegen die Jaguars folgte sein Backup Jonnu Smith, nachdem er den Weg für Derrick Henrys 99y TD ebnete, bei dem er zwei Spieler blockte. Bereits nach den ersten 3 Spieltagen bat Rishard Matthews (zweimaliger Yards-Leader der Wide Receiver) um eine Vertragsauflösung und das Wide Receiver-Corps hatte bis auf Corey Davis auch mit Spielausfällen zu kämpfen. Somit bestand am Ende der Saison die Gruppe der Wide Receiver aus drei Sophmores (Spieler im zweiten Jahr) und zwei Rookies – ohne einen Veteran. Die Offensive Line, die in den letzten Jahren zu den Top 5 der Liga gehörte, baute in dieser Saison mächtig ab. Nicht nur dass Mariota die meisten Sacks seiner bisherigen Karriere bekam, nein auch Verletzungen der Beschützer von Marcus stellte die Verantwortlichen teilweise vor eine Mammutaufgabe. Jede Mannschaft hat mit Ausfällen zu kämpfen, doch die Titans hatten schon sehr großes Pech direkt zu Beginn der Saison. Wie hätte die Offense der Titans aussehen können unter der Führung von LaFleur, wenn alle Mann fit gewesen wäre….leider nur ein feuchter Traum.

Schauen wir mal auf die blanken Statistiken der letzten Saison | 2017:
Total Yds: 312.4 / 25th | 314.0 / 23rd
Passing: 185.9 / 29th | 199.4 / 23rd
Rushing: 126.4 / 7th | 114.6 / 14th
Points: 19.4 / 27th | 20.9 / 19th
3rd Down: 40% / 15th | 35.1 / 25th

Bis auf die 3rd Down Efficiency hat sich die Titans-Offensive in allen Belangen statistisch verschlechtert. Wie aber oben beschrieben, hatten die Titans 2018 großes Pech mit Verletzungen und einen der schwersten Schedules. 2017 war nämlich die komplette Truppe „fit“ und hatte einen der einfachsten Spielpläne.

Matt LaFleur war in seinem Playcalling schwankend. Einmal sehr zurückhaltend und einmal direkt ein Deep Ball beim ersten Play des Spiels. Es gab Spiele, bei denen er in der Booth verzweifelt saß, bei dem die Wide Receiver nicht halfen (eine der höchsten Drop-Rate der Liga) wie z.B. beim Spiel in Buffalo, und es gab Spiele, bei dem die Calls zum Zunge Schnalzen waren wie gegen die Patriots. Es gab Spiele bei denen man sich die Haare raufte, als er z.B. JJ Watt ohne Hilfe nur von Tight End Jonnu Smith blocken ließ (ähh jaa…nein!), und es gab Spiele, bei denen er mit einem richtig schlechten Blaine Gabbert als QB das Spiel managete und so das Team im Spiel blieb und den Sieg einfuhr.

Die Titans trifft der Abgang von Matt LaFleur schwer, denn Mariota bekommt jetzt in seiner 5. Saison den fünften Offensive Coordinator. Das war das erste Jahr für Mike Vrabel als Head Coach und für Matt LaFleur als Plays callender Offensive Coordinator. Als Grünschnäbel plus dem großen Verletzungspech und einem der schwersten Spielpläne muss man ihnen, auch ohne Playoff-Teilnahme, Tribut zollen. Dass im ersten Jahr nicht alles passt und es Erfahrung in der Liga benötigt, ist allen bewusst. Deswegen wäre es schön gewesen, zu sehen, wie ein LaFleur in der nächsten Saison agiert hätte, mit einem QB, der das System dann kennt, weniger Verletzungspech (ich hoffe, wir haben nächste Saison nicht wieder solch großes), mehr erfahrenen Wide Receivern und einer großen Portion Selbstreflektion. Es war aber klar, nachdem jedes NFL Team, welches seinen Headcoach feuert, auf der Suche nach dem neuen McVay ist, dass der OC-Posten nur kurzweilig ist, wenn man einen defensive minded HC und das Team Erfolg hat.

Von den verbleibenden Teams in der Divisional Round der Playoffs hat man gegen 5 der 8 Teams (6 Spiele, zweimal Colts) gespielt und der Record lautet 3-3 (beide Spiele gegen die Colts und mit einem Punkt gegen die Chargers in London verloren). Und wer gegen den amtierenden Super Bowl-Sieger gewinnt, Tom Brady und die Patriots deklassiert und ohne Probleme gegen „Americas Team“ in Dallas gewinnt, unter solchen Voraussetzungen, der kann als Offensive Coordinator doch gar nicht ganz so viel falsch gemacht haben. In Green Bay werden ihm jetzt auch andere Waffen zur Verfügung stehen mit Rodgers und Adams, und die Packers werden auch in das Team investieren, da sich das Super Bowl-Fenster von Rodgers so langsam schließt.

Persönlicher Playcall Record (Weeks)
Good: 7 (2, 3, 4, 9, 10, 12, 14)
Average: 6 (1, 7, 13, 15, 16, 17)
Bad: 3 (5, 6, 11)