Allgemein Offseason 2019

Head Coach Matt LaFleur im Profil

Alles zum neuen Head Coach der Packers

In der Nacht vom 07. auf den 08.01. deutscher Zeit haben es die Medien verkündet: Die Packers finalisieren wohl aktuell den Arbeitsvertrag für den neuen Head Coach – Matt LaFleur. Wer es noch nicht auf Twitter gelesen hat, sollte es spätestens vom Kurzbericht der Nacht erfahren haben.

Nachtrag 08.01.: Laut Tom Pelissero (NFL Network) haben die Packers sich mit Matt LaFleur auf einen Vierjahresvertrag mit einer Option auf ein fünftes Jahr geeinigt. Er wird zwischen $5M-$5.5M verdienen.

Die Liste war lang…

Und es standen viele Namen auf der Liste, die auf keine guten Reaktionen stießen. Chuck Pagano etwa, oder der Interims-Head Coach Joe Philbin. Jim Caldwell, Todd Monken und Adam Gase waren die Namen, die an freien Coaches sonst noch in Frage kamen.

Außerdem interviewte man auf der Reise noch diverse andere Coaches. Bei den Patriots sprach man mit Josh McDaniels sowie Josh Brian Flores. Bei den Saints wurden mit Dan Campbell und Pete Carmichael Jr. Interviews geführt. Interesse sollen die Packers außerdem am Offensive Line-Coach der Steelers Mike Munschak sowie am College-Coach von Northwestern Pat Fitzgerald gezeigt haben. Doch am Ende wurde es Matt LaFleur – jetzt wohl ehemaliger Offensive Coordinator der Tennessee Titans.

Matt LaFleur – Offensive-Coordinator und Quarterbacks-Coach im College

Wie wohl die meisten NFL-Coaches begann LaFleur seine Coaching-Karriere an einem College. Bei den Saginaw Valley State Cardinals, dem Footballteam seiner ehemaligen Universität in Michigan, war LaFleur ein Offensive Assistant im Jahr 2003, ehe er 2004 für 2 Jahre an die University of Central Michigan wechselte und dort dasselbe Amt ausübte.

2006 wechselte er dann zu Northern Michigan und coachte hier die Quarterbacks und Wide Receiver.
Das erste Mal Offensive Coordinator war der neue Packers-Head Coach dann schließlich an der Ashland University, einem kleinen College in Ohio, 2007.

LaFleurs Heranwachsen unter den Shanahans und McVay

Im Jahr 2008 wurde Matt LaFleur dann von den Houston Texans angeheuert. Erneut als Offensive Assistant (offizieller Titel: Offensive quality control coach) arbeitete er zusammen mit dem heutigen Head Coach der 49ers (damals bei den Texans Offensive Coordinator) Kyle Shanahan und unterstützte diesen erneut bei den Quarterbacks und Wide Receivern.

2010 wurde Mike Shanahan, Vater von Kyle, bei den Washington Redskins als Head Coach verpflichtet. Dieser brachte seinen Sohn Kyle als Offensive Coordinator mit – und dieser wiederum brachte seinen mittlerweile engen Freund Matt LaFleur mit und gab ihm noch eine kleine Beförderung zum Quarterbacks Coach. Bei den Redskins blieb er bis 2013 und so bekam er auch den Draft 2012 mit, bei welchem die Redskins mit Robert Griffin III und Kirk Cousins gleich zwei Quarterbacks drafteten, für die LaFleur dann in der anschließenden Saison verantwortlich war und definitiv einen Anteil daran hatte, dass man es mit einem 10-6 Record in die Playoffs schaffte. Einer davon schaffte es zu einem teuren Vertrag bei den Vikings, der andere arbeitet aktuell an seinem Comeback in seiner Saison bei den Ravens.

Nachdem Mike Shanahan Ende der Saison 2013 als Head Coach gefeuert wurde und LaFleurs Freund Kyle Shanahan als Offensive Coordinator zu den Cleveland Browns ging, fand LaFleur dort keinen Platz, weshalb er für ein Jahr zurück an ein College ging, um dort zu coachen: Quarterbacks Coach bei Notre Dame, eine durchaus beeindruckende Station in seinem langen Lebenslauf. Hier traf er auch schon auf den heutigen Backup-Quarterback DeShone Kizer, der jedoch in der gemeinsamen Saison als Redshirt-Freshman nur trainierte und kein Spiel absolviert hat. (Anmerkung: EQ St. Brown kam erst 2015 nach LaFleur zu den Fighting Irish)

Doch die Shanahan-freie Zeit hielt nicht lange an. Nachdem Kyle bezüglich des damaligen Browns-Quarterbacks Johnny Manziel einen Streit mit der Führungsetage hatte und seinen Job bei diesen niederlegte, wurde Shanahan Offensive Coordinator bei den Falcons – und durfte sich wieder seinen Quarterbacks Coach selbst aussuchen. Natürlich fiel die Wahl erneut auf seinen guten Freund Matt LaFleur. In der Saison 2016 gewann „sein Quarterback“ Matt Ryan den League MVP, gefolgt von drei starken Quartern im Super Bowl, ehe – die meisten werden sich erinnern – die Patriots sie doch noch besiegt haben.

In der Saison 2017 wurde Shanahan Head Coach der 49ers und so trennten sich die sportlichen Wege von LaFleur und seinem Freund. Unter „Rookie-Head Coach“ Sean McVay, den LaFleur aus seinen Zeiten bei den Redskins kannte, wo dieser Tight Ends-Coach war und nach Shanahans Abgang zum Offensive Coordinator aufstieg, konnte LaFleur den nächsten großen Schritt in seiner Karriere machen: Offensive Coordinator bei den LA Rams! Zusammen zauberten die beiden einen riesigen Second Year-Jump für den Quarterback Jared Goff und konnten mit einem 11-5 Record die Playoffs erreichen, nachdem man zuvor unter Jeff Fisher eine Pleitensaison erlebte.

In der abgelaufenen Saison wechselte Matt LaFleur dann zu den Tennessee Titans, wo er eine kleine Beförderung bekam. Er war zwar immer noch „nur“ Offensive Coordinator, im Gegensatz zu seiner Zeit bei den Rams unter Sean McVay arbeitete er hier aber mit einem Defensive minded-Head Coach, Mike Vrabel, zusammen, sodass er für die Offense das erste Mal allein verantwortlich war und zum ersten Mal in der NFL das Play Calling übernahm.

Offensive Coordinator Matt LaFleur

Da LaFleur noch nie Head Coach war, gehe ich jetzt auf seine Zeiten als Offensive Coordinator genauer ein. Um das abgehakt zu haben: Bei Ashland konnte LaFleur eine 8-1 Saison als Offensive Coordinator verbuchen. Da das aber 2007 (und somit ewig her) war und die NFL-Erfahrung definitiv interessanter ist, schauen wir lieber diese Stationen an.

OC mit McVay bei den Rams

Natürlich ist es schwierig zu sagen, wie viel der starken Saison bei den Rams wirklich LaFleur zu verdanken war, denn wie bereits erwähnt war er nicht alleine für die Offense verantwortlich, trotzdem ist es doch interessant, was dort vom einen aufs andere Jahr passiert ist.

Mit Jared Goff hatte man den 2016er Nummer 1 Pick in seinem zweiten Arbeitsjahr zum Quarterback. Im Rookie-Jahr hatte er sehr viele enttäuscht, er wurde schon als Bust abgestempelt. Dazu hatten die Rams mit Todd Gurley einen starken Rusher und mit Sammy Watkins (jetzt Chiefs), Robert Woods und den damaligen Rookies Cooper Kupp und Josh Reynolds ein starkes Receiving Corp.

Der Einstand gelang: 46-9 gegen die Colts, gefolgt von der angesprochenen 11-5 Saison. Jared Goff wurde vom Draftbust zum Starquarterback und McVay galt als DAS Beispiel in Sachen innovativen Coachings und Play Callings in der NFL. Egal, wie groß LaFleurs Anteil an diesem Erfolg war, so einiges wird er aus diesem Jahr mitgenommen haben.

„Auf eigene Verantwortung“ bei den Titans

Nach nur vier Picks im Draft bekam LaFleur ausschließlich einen neuen Backup-Quarterback in Luke Falk zur Verfügung gestellt. Zusammen mit Dion Lewis, der als Free Agent kam, war das die einzige namhafte Ergänzung, um an die 9-7 Saison 2016 anzuknüpfen. Falk wurde beim finalen Cut entlassen – ohne wirklich große Veränderungen zur Vorsaison sollte LaFleur also für eine starke Offense sorgen.

Nach einer Verletzung von Starting Quarterback Marcus Mariota (und zuvor zwei Interceptions von diesem) musste LaFleur mit Blaine Gabbert arbeiten. Blaine Gabbert war einmal Quarterback bei den Jaguars und folgend auf seine Pleitensaison wurde Blake Bortles gedraftet. Kurzum: Kein Traumszenario für einen aufstrebenden Offensive Coordinator. Mit einer weiteren Interception von Gabbert konnte auch der Special Teams-Touchdown nicht zum Sieg reichen. (Wer Preseaon schaut: Gabbert war der einzige Quarterback im Duell gegen die Packers, der keinen Touchdown geworfen hat – gegen die 2. Garde der Defense)

Doch das Blatt sollte sich wenden. Mit Blaine Gabbert (und einem erneuten Special Teams-Touchdown) gewann man 20-17 gegen die zu Saisonbeginn schwachen Texans und konnte mit Siegen gegen die Jaguars und die Eagles drei Siege in Folge klar machen – ab Woche 3 sogar wieder mit Mariota. Ein Highlight war das 9-6 gegen die Jaguars aber absolut nicht.

Doch gegen die starken Defenses war Schluss mit lustig: Erst sorgten die Bills rund um Rookie-Linebacker Tremaine Edmunds für nur 12 Punkte (4 Fieldgoals, kein Touchdown), ehe die Ravens sie mit einem 21-0 Shutdown abfertigten.

Doch dann passierte etwas, was ein kleines Packers-Deja Vue auslöst: LaFleur hat das Rushing Game der Titans gefunden! Derrick Henry konnte bei der Niederlage gegen die Dolphins einen Rushing Touchdown aufs Board zaubern und in der Folgewoche legte er gegen die Cowboys nach. Mariota hatte einen Sahnetag und mit jeweils 2 Passing- und Rushing-Touchdowns gewannen die Titans 28-14.

In Woche 10 gelang dann das Meisterstück: Mit wieder 2 Rushing-Touchdowns von Henry, 2 Passing-Touchdowns von Mariota und einer starken Offensivleistung bezwang LaFleurs Titans-Offense die Patriots-Defense von Bill Bellichick und konnte einen 34-10 Sieg einfahren.

Wie schon zu Saisonbeginn verletzte sich dann Mariota und unter Blaine Gabbert hagelte es eine bittere Pleite gegen starke Colts, woraufhin die Texans sich ihr Rematch holten.

Dann startete der Playoff-Run. 5-6 stand der Record, bevor die Offense aufdrehte. Siege gegen die Jets, die Jaguars, die Giants und die Redskins folgten – und so konnte man das erste Playoff-Spiel schon in Woche 17 spielen, denn gegen die Indianapolis Colts spielte man ein Division-Duell direkt um den Platz in den Playoffs. Einen großen Anteil an diesem positiven Run hatte wieder Derrick Henry, der unter anderem mit seinem Spiel gegen die Jaguars (4 Touchdowns, davon einen für 99 und einen für 54 Yards) der klare Mittelpunkt der Titans-Offense geworden ist.

Doch das vorgezogene Playoff-Duell mussten die Titans erneut ohne Marcus Mariota schultern und so konnte auch Derrick Henry, der kombiniert wieder über 100 Yards produzierte, nicht zu einem Sieg verhelfen – die Niederlage gegen die Colts beendete also die Saison 2017 für LaFleur und seine Titans.

Was lernen wir daraus? Matt LaFleur kennt sich mit einem verletzten Quarterback aus, er weiß, das Runninggame zu nutzen und kann ein Team, das personell nur Abgänge hatte, bei einem Record von 9-7 halten. Die Playoffs hat er knapp verpasst, aber das war trotzdem eine solide bis gute Saison! Wenn man bedenkt, mit wie vielen bedeutenden Verletzungen Matt LaFleur in Tennessee zu kämpfen hatte (Mariota teilweise verletzt, TE1 Delanie Walker verletzt seit Woche 1, etc.), dann macht das Hoffnung, dass er auch bei uns nicht einbricht, sollte die Verletztenmisere auch mit einem neuen Coaching Staff anhalten.

Philbin, Pettine, Zook – wer wird unter LaFleur weiterarbeiten?

Mike Pettine! Matt LaFleur soll angeblich Pettine sogar auf seiner Liste an Bedingungen stehen gehabt haben, die er erfüllt haben möchte, wenn er zu den Packers kommt. Offiziell ist da noch nichts (wie bisher auch die Verpflichtung von LaFleur), ein Verbleib von Mike Pettine ist jedoch sehr wahrscheinlich.

Zook definitiv nicht. Es würde mich nicht wundern, wenn ein Feuern von Ron Zook eine der ersten Amtshandlungen von Matt LaFleur wäre. Oder um Aaron Nagler (Cheesehead TV) zu zitieren: „Wir wissen nicht, was am Ende dabei herauskommt. Aber wenn Ron Zook heute in einer Woche immer noch seinen Job hat, war es [Matt LaFleur] eine schlechte Verpflichtung.“

Dass Joe Philbin bleibt, halte ich für unwahrscheinlich. Er war zum Ende hin nicht erfolgreich, er spielt McCarthys Offense und allgemein wäre er eher ein Festhalten an alten Mustern, als ein Neustart und eine Veränderung. Ein möglicher Grund, Philbin zu halten: Aaron Rodgers scheint ihn zu respektieren. Es könnte schlechtere Kandidaten geben, die einen jungen frischen Head Coach mit einem „alten Star-Veteran-Quarterback“ unterstützen.

Ansonsten heißt es hier mal wieder: Abwarten! LaFleur scheint eine gute Vorstellung zu haben, was er hier bei den Packers anstellen möchte, da bin ich sehr gespannt, wie das kommt. Laut bisherigen Berichten soll erstmal der gesamte Defensive Staff gehalten werden.

Matt LaFleur – wer ist er privat?

LaFleur selbst ist gelernter Quarterback. An der Saginaw Valley State University, an der er später auch coachte, spielte der heute 39jährige von 2000 bis 2002 3 Jahre lang als Starting Quarterback und erreichte dabei jede Saison die Division II-Playoffs. Zuvor hatte er es schon bei Western Michigan versucht, dort schaffte er es jedoch nicht ins Football Team. Nachdem er das College abgeschlossen hatte, spielte er 2 Jahre lang bei den Omaha Beef und den Billings Outlaws Indoor Football. Da er parallel dazu aber 2003 schon an seinem alten College zu coachen begann, hielt das nicht lange. Gut so, denn sein früher Einstieg ins Coaching sorgt dafür, dass wir heute einen neuen Head Coach bekommen, der 16 Jahre Erfahrung hat, aber trotzdem mit 39 noch jung und frisch ist, anstatt festgefahren in seine alten Ideen!

Sein Bruder, Mike LaFleur, ist ebenfalls NFL-Coach und derzeit mit Matts altem Freund Kyle Shanahan unterwegs. Bei den 49ers ist dieser seit zwei Jahren Wide Receivers Coach und Passing Game Coordinator. Laut Medienberichten soll Matt LaFleur derjenige gewesen sein, der seinem Freund Kyle Shanahan Mike empfohlen hat.

Außerdem ist nicht nur LaFleur mit jeweils Kyle Shanahan und Sean McVay befreundet, die drei sind allgemein wohl eine Freundesgruppe. Sie haben lange Wege unter Mike Shanahan und danach gemeinsam bestritten. Von den Tennessee-Schreibern von USA Today wurden sie als „Harry, Ron und Hermine, wie sie in der NFL heranwachsen“ bezeichnet. Wenn man sich anschaut, was die anderen beiden bisher so anstellen, lässt das gutes hoffen.

Zusammen mit seiner Frau BreAnne hat LaFleur zwei Söhne, Luke und Ty. Matt LaFleurs Eltern, Denny und Kristi, haben ebenfalls eine Football-Vergangenheit. Sein Vater war früher Linebacker, seine Mutter Cheerleaderin – ebenfalls in der Familien-Heimat Michigan. Sein Vater Denny beschrieb einmal, dass er sich bei seinem ersten Date mit Kristi mit ihrem Vater, seinerseits wiederum selbst Football-Coach eines Collegeteams, über Football unterhalten und ein Gametape eines 16mm-Films analysiert habe. Beste Voraussetzungen also!

LaFleur-Fazit: Gut oder Schlecht?

Das Fazit ist ganz einfach: Abwarten! In diesem Artikel sind viele Dinge zusammengefasst, teils positive teils negative, die ein Fazit möglich machen, am Ende würde ich aber einfach gar kein Fazit ziehen wollen. In den nächsten Wochen werden wir sehen, wie LaFleur sich sein Coaching Staff zusammenstellt und dann geht es ja schon an die spannendste Phase der Offseason: Free Agency und Draft.

Auch wenn ich persönlich (Nikxx) Pete Carmichael Jr. als meinen Favoriten auserkoren habe, möchte ich euch alle bitten, die ihr bestimmt auch eine Meinung hattet: Gebt Matt LaFleur eine Chance! Und gebt sie auch Murphy und Gutekunst, die diese Auswahl getroffen haben. Sie sind deutlich näher am Geschehen als wir alle und werden mit 100%iger Sicherheit nach bestem Wissen und Gewissen LaFleur als neuen Head Coach ausgewählt haben! Lasst uns gemeinsam eine schöne Offseason verbringen, den neuen Head Coach mit unseren Mitteln supporten und auf ein geiles Jahr 2019 hoffen!

#GoPackGo
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