Allgemein Offseason 2018

„Gutekunst“ für den Aufbau des nächsten Rosters notwendig

Alles zum neuen General Manager der Packers

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(Foto: Green Bay Packers)

Dass die Packers am Montagabend (08.01.) den neuen General Manager bekannt gegeben haben, dürfte mittlerweile jeder mitbekommen haben. Wenn nicht: Es ist Brian Gutekunst geworden.

Vorweg: Mark Murphy und Brian Gutekunst wollen Eliot Wolf bei den Packers halten. Auch Russ Ball, der nach vielen Quellen für die GM-Position in Frage kam, soll bei den Packers gehalten werden. Man habe für Ball eine „high-level position“ vorgesehen, so Rob Demovsky (ESPN).

Wer freut sich am meisten über die Verpflichtung von Gutekunst? Schwer zu sagen. McCarthy soll mit Gutekunst sehr gut befreundet sein, Gutekunst auf der Pressekonferenz: „We have a great relationship. I have a ton of respect for him as a football coach & as a man.“ Dass McCarthy ebenfalls mit allen Kandidaten sprach und Murphy seine Meinung äußerte, wird Gutekunst definitiv zu gute gekommen sein. „Der Head Coach unterstützt wahrscheinlich Gutekunst“, soll ein NFL-Insider gesagt haben. Doch auch viele Fans freuen sich über die Verpflichtung. Wieso? Erfahrt ihr hier!

Spielen, Coachen, Scouten – die Karriere von Gutekunst

Der 44-jährige Familienvater (Frau und vier Kinder) wird einen Vertrag über 5 Jahre als unser General Manager erhalten, so Adam Schefter (ESPN), doch wie hat Gutekunst bei uns angefangen und wie kam er an den GM-Posten?

Bevor Gutekunst seine Karriere hinter den Kulissen startete, versuchte er sich selbst als Spieler. Wo? Natürlich in Wisconsin! An der University of Wisconsin-La Crosse spielte Gutekunst zwei Saisons, bevor er seine Spielerkarriere aufgrund einer Schulterverletzung beenden musste.

Eben dort begann dann seine Karriere hinter den Kulissen. 1995 gewann er mit seinem Team als Linebacker-Coach die Division III National-Championship. Seinen ersten NFL-Auftritt hatte er ebenfalls 1995, als er den Coaches der New Orleans Saints in einem Trainingscamp beim Offensive Line-Training half.

1997 kam Gutekunst dann das erste Mal zu den Packers. Als Praktikant arbeitete er in unserer Scouting-Abteilung. Auf dieses Praktikum folgten Erfahrungen in der Scouting-Abteilung bei den Kansas City Chiefs. Ende des Jahres 1998 kam er schließlich wieder zurück zu unseren Packers, seine Karriere startete er als College-Scout in der Region „East Coast“. Diese Rolle erfüllte er für zwei Saisons. Von 2001 bis 2011 übernahm er die Region „Southeast“, bevor er dann schließlich 2012 zum Direktor für College-Scouting befördert wurde.

Seit 2016 war er nun „Director of player personnel“, in dieser Rolle war er nicht nur wie zuvor in das Scouting und das Verpflichten von Spielern involviert, sondern arbeitete auch als Spieler-Support für die bereits verpflichteten Spieler.

Der „Wolf-Scouting-Tree“

Möglicherweise einen bitteren Beigeschmack für Eliot Wolf hat seine „Niederlage“ gegen Gutekunst (wenn man das so nennen mag) vor allem deshalb, weil einst sein Vater Ron Wolf es war, der Gutekunst bei den Packers anstellte. Damit sind es inzwischen 6 ehemalige Packers-Mitarbeiter, die unter Ron Wolf im Scouting-Bereich tätig waren und mittlerweile einen GM-Job in der NFL haben/hatten. Der Teil des „Ron Wolf-Scouting-Tree“, der GM wurde, besteht aus Thompson bei uns, John Schneider bei den Seahawks (Schneider war angeblich ebenfalls ein Kandidat für unseren GM-Posten), John Dorsey bei den Cleveland Browns (mit Alonzo Highsmith wurde vor ein paar Tagen unser Senior Personnel Executive freigestellt, um mit John Dorsey zu arbeiten), Reggie McKenzie bei den Oakland Raiders, Ex-Redskins- und -49ers-GM Scot McCloughan – und jetzt eben auch Brian Gutekunst. Auf der Pressekonferenz sagte Gutekunst, Scot McCloughan als sein erster Ansprechpartner im Scouting-Bereich habe ihm am meisten beigebracht, wegen ihm habe er dem Coaching den Rücken gewandt und sich ins Scouting verliebt. Aber Ron Wolf hatte damals besondere Abläufe, die auch heute noch bei den Packers vorhanden sind. Sco

Nicht das erste GM-Interview

Bei seinem Bewerbungsgespräch mit Packers CEO Mark Murphy für den GM-Posten hatte Brian Gutekunst einen Vorteil gegenüber Eliot Wolf und Russ Ball. Gutekunst war letztes Jahr schon für zwei GM-Posten in der Auswahl, so hatte er schon zugehörige Gespräche mit den Buffalo Bills und den San Francisco 49ers. Bei letzteren war er angeblich in der engsten Auswahl für den Posten, bevor er sich dafür entschied, bei den Packers zu bleiben, und selbst aus der Auswahl zurücktrat. Sogar dieses Jahr hätte er noch ein GM-Bewerbungsgespräch haben sollen, so war für Sonntag, den 07.01., eigentlich eins mit den Houston Texans angesetzt, was laut NFL-Insidern nur deshalb platzte, weil man Gutekunst kurz vorher die Zusage für den GM-Job gab. Gutekunst sagte Murphy wohl schon Freitags, dass GM bei den Packers sein Traumjob sein und er die Packers liebe.

Seine Vorzüge gegenüber Wolf

Schon im vornherein sagten NFL-Insider, das Bewerbungsgespräch sei am Ende der ausschlaggebende Punkt gewesen, hier habe Gutekunst Murphy extrem beeindruckt. Auch die vermutete Angst, man würde Gutekunst an die Texans verlieren, bestätigte Murphy indirekt, indem er sagte, er habe nicht gewollt, dass Gutekunst das komplette Gespräch bei den Texans bestreitet (wobei auch die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass wir jetzt Wolf verlieren und er möglicherweise anderswo als GM in Frage kommt).
Wolf war in der „Beförderungs-Reihenfolge“ über Gutekunst, so übernahm Gutekunst Wolfs Platz als Director of Player Personnel, als Wolf zum Director-Football Organisations befördert wurde. Außerdem hat er das „Wolf-Gen“, denn auch sein Vater John Wolf war als Packers-GM sehr erfolgreich.
Auf Nachfrage eines Journalisten, was Murphy am meisten beeindruckt hat, sagte er, Gutekunst sei beim Bewerbungsgespräch sehr gut vorbereitet gewesen und das Interview allgemein sei sehr aufschlussreich gewesen. Der wohl beeindruckendste Punkt ist aber seine Erfahrung, bei den Packers und allgemein im Scouting, so ist Gutekunst fast 10 Jahre älter als Wolf. Man hat ihm wohl die Aufgabe gegeben, die Top3-Picks der letzten 3 Drafts zu analysieren und zu beschreiben, weshalb wie entschieden wurde. Mit seiner fast 20-jährigen Erfahrung muss er hier den besten Eindruck abgeliefert haben, seine Art, Dinge zu analysieren, sei sehr positiv gewesen.
Während Gutekunst als Scouting-Praktikant anfing und sich langsam hocharbeitete, begann Wolf (möglicherweise auf Vorschusslorbeeren seines Vaters) 2004 als „pro personnell assistant“ und durchlief ab 2008 nur noch diverse (Assistant-) Director-Jobs bis heute.
Was würden wir nicht alle geben, um diese Draftpick-Analysen sehen zu können, das wäre definitiv sehr spannend.

 

Gutekunsts Philosphie und Aufgaben

Die Situation, in der Gutekunst den GM-Job übernimmt, ist mit Sicherheit keine leichte.

Wir haben das erste Mal seit Ewigkeiten die Playoffs verpasst, hatten diese Saison viele Verletzte und es stehen große Roster-Entscheidungen vor der Tür.

Wie schon angekündigt, hat man wohl für Russ Ball eine hohe Position bei den Packers eingeplant. Mit der offiziellen Verkündung der Verpflichtung von Gutekunst als GM ging auch die Ankündigung einher, man habe Ball zum „executive vice president/director of football operations“ befördert. Mit ihm hat Gutekunst einen Weggefährten von Thompson aus dem Finanzbereich der Packers an seiner Seite, der ihn in seinen ersten riesig-großen Entscheidungen beraten kann. Sollte man es schaffen, Eliot Wolf bei den Packers zu halten, so dürfte es in Gutekunsts Interesse liegen, auch mit diesem zusammenzuarbeiten und sich dessen Wissen zu Nutze zu machen. Genaueres wurde bisher zwar nicht bekanntgegeben, jedoch wird es um Wolf definitiv eine Veränderung geben, denn Ball übernimmt hiermit Wolfs Jobbezeichnung (der Aufgabenbereich bleibt wohl gleich). Das bedeutet im Umkehrschluss, dass man am Sonntag entweder Wolf davon überzeugen konnte, in einer anderen Rolle bzw. mit einer anderen Rollenbezeichnung bei den Packers zu bleiben, oder Wolf macht den Packers klar, dass er nach dieser Entscheidung die Franchise verlassen wird.

Hierzu sei noch zu erwähnen, dass sich auch in der Struktur der Packers etwas geändert hat. Anstatt diese wie angekündigt beizubehalten, unterstehen sowohl der neue GM Gutekunst, als auch Ball und Coach McCarthy nun direkt Mark Murphy. Gutekunst behält die komplette Entscheidungsgewalt für die Verpflichtungen, was das Personal angeht, wurden ihm aber seine Freiheiten im Gegensatz zu Thompson zuvor etwas eingeschränkt. Der Packers-Kolumnist Pete Dougherty zeigt sich in einem kurzen Gespräch mit Aaron Nagler auf packersnews.com etwas verwundert über diese Entscheidung.

Mike Murphy erklärt auf der Pressekonferenz aber, dass das gar keine so große Umstellung sei, sie ist vorallem dazu da, um die Kommunikation zu verbessern, die in den letzten Jahren wohl etwas gelitten hat, Murphy sprach von internen Kommunikationsproblemen. Ab jetzt soll es wöchentliche Treffen zwischen McCarthy, Ball, Gutekunst und Murphy geben.
Die Entscheidungsgewalt über eine mögliche Entlassung McCarthys oder Balls würde sowieso vorher abgesprochen werden und sei damit letztendlich eine Entscheidung von Murphy als CEO, in alle anderen Entscheidungen wolle er sich damit aber nicht einmischen. Es sei sein Ziel, kompetente Leute einzustellen und diese dann ihren Job machen zu lassen.

Im vornherein wurde von vielen Insidern prognostiziert, dass man die GM-Rolle aufsplitten wolle. Das ist so in etwa auch passiert. Die Arbeit, die Thompson vorher machte, wird sich jetzt aufteilen in die administrativen Aufgaben, die Russ Ball übernimmt (Beachten des Salary-Cap, Aushandeln von Verträgen, etc.), die General Manager-Rolle mitsamt aller Entscheidungen über den Roster bleibt aber bei Gutekunst.

Ted Thompson, Ron Wolf oder eher eine Mischung?

Bei all dieser Hin- und Her-Denkerei ist aber vor allem wichtig: Haben wir mit Gutekunst einen zweiten Ted Thompson? Oder haben wir eher einen Ron Wolf?

Ted Thompson war dafür bekannt, alles über Drafts regeln zu wollen. Wenn Spieler zu alt und zu teuer werden, werden sie gegen Junge ausgetauscht. An Trades und in der Free Agency wurde wenig bis gar nichts geholt und nur viel abgegeben. Allein letzte Offseason haben wir mit Micah Hyde, Jared Cook, T.J. Lang, JC Tretter und Julius Peppers 5 potenzielle Starter in der Offseason verloren. Thompsons neuerliche Versuche in der letzten Saison, die TE-Position mit Free Agents zu füllen, ist mit einem widerspenstigen Herrn Bennett und einem eher schwach performenden Lance Kendricks eher nicht gelungen – aber dazu an anderer Stelle mehr.

Ron Wolf, unter welchem Gutekunst anfing, bei den Packers zu arbeiten, war hingegen dafür bekannt, sehr aggressiv auf dem Veteran-Markt zu arbeiten und dort viel mit Spielern mit machen. Außerdem auch älterere, teurere Spieler zu verpflichten.

Die Free Agency von Morgan Burnett könnte hier eine erste starke Richtungsweisung zeigen, wie unser neuer GM verfahren wird. Ein schon etwas älterer Spieler, der jetzt wieder teurer wird und ab und an mit Verletzungen zu kämpfen hat. Unter Thompson ein sicherer Free Agency-Abgang, aber unter Gutekunst?

Nach Aussagen von Ryan Wood sollen Leute im Umfeld von Gutekunst sagen, Gutekunst wolle definitiv aggressiver auf dem Free Agency-Markt vorgehen, als es Ted Thompson getan hat. „Ich wäre überrascht, wenn er es nicht würde“, soll jemand gesagt haben.
Gutekunst selbst äußerte sich auf der PK in die Richtung, dass er auf jeden Fall das alte Erfolgsrezept „Draften, Entwickeln, Behalten“ weiterhin der Kernpunkt des Systems sei. Trotzdem wolle man alles neu Überdenken und definitiv aggressiver im Free Agency- und Trade-Geschäft teilnehmen.

Das macht wahrscheinlich viele Packers-Fans glücklich, aber mal ehrlich: Weniger aggressiv als Ted Thompson geht halt auch nicht.

Philosophien von außen

Russ Ball fiel als Kandidat etwas in den Hintergrund. Nicht nur, weil McCarthy definitiv niemanden aus dem Finanzbereich als GM wollte (Gerüchten zufolge soll auch Rodgers mit dem Gedanken wenig glücklich gewesen sein), sondern auch, weil er Ted Thompson in seiner Free Agency-Politik sehr ähnlich ist. Geht man davon aus, dass Eliot Wolf wahrscheinlich mehr wie sein Vater ist, wären die aktuellen Bestrebungen, Eliot Wolf zu halten, sehr wichtig. Mit Wolf und Ball hätte Gutekunst beide Arbeitsweisen an seiner Seite und wird sicher durchgehend von beiden Seiten gut beraten. Wenn er dann die goldene Mitte findet – perfekt!

Ich muss aber Zach Kruse zustimmen: Es ist verdammt deprimierend, wenn man über 20 Jahre darauf wartet, die Nachfolge seines Vaters, seinen Traumjob, anzutreten, und dann kurz vor Schluss von jemandem gebremst wird – und dieser jemand ist in der aktuellen Rangfolge auch noch unter ihm gewesen. Eliot Wolf fing schon mit 14 an, Spielerprofile der Packers zu schreiben.
Man wolle Wolf aber unbedingt in Green Bay halten. Er habe andere Möglichkeiten, aber „very hopeful he’ll be back“.
Mark Murphy prophezeit Wolf, er wird irgendwann ein General Manager werden, er sei extrem talentiert. Er respektiere Wolf sehr und glaubt an eine große Karriere des 35-jährigen.

+UPDATE 09.01.+ Laut Rob Demovsky (EPSN) bekam Wolf ein Angebot bei den Packers als Rechte Hand von Gutekunst. Im Wissen, dass Eliot Wolf auch andere Angebote erhalten wird, will man ihm keine Steine in den Weg legen, trotzdem würde man sich sehr darüber freuen, wenn er auch nächste Saison bei den Packers arbeitet.

+UPDATE 10.01.+ Laut Jason La Canfora hat Wolf einen Job im Front Office der Cleveland Browns angenommen und verlässt somit Green Bay, um den dortigen GM John Dorsey zu unterstützen.

Welche Aufgaben sind schon erledigt?

Thompson und Ball haben einige Aufgaben schon erledigt, so stehen zwei Entscheidungen weniger für Gutekunst vor der Tür.
Wide Receiver Davante Adams wurde mit einem 58 Millionen Dollar-Vertrag ausgestattet.

Außerdem hat Center Corey Linsley einen neuen Vertrag bekommen – 3 Jahre über 8,5 Millionen Dollar im Jahr. Zwei wichtige aufkommende Free Agents, die man sich sichern konnte.

Gutekunsts Aufgaben für diese Offseason

Wie schon beschrieben ist diese erste Offseason für Brian Gutekunst schwieriger, als die letzten es für Thompson waren, denn viele große Entscheidungen stehen bevor.

Aaron Rodgers‘ Basis-Vertrag von 5 Jahren (signed 2013) wäre dieses Jahr zuende. Sein Signing-Bonus mit dem garantierten Mindestgehalt ist ausgezahlt. Ab jetzt beginnt ein Zeitraum von 2 Jahren, in denen Rodgers noch einen laufenden Vertrag hat, jedoch alles nur ausgezahlt wird, wenn er auch spielt. Würde man Rodgers jetzt entlassen, würde kein „totes Gehalt“ übrig bleiben, das man auszahlen müsste und sich auf unser Salary Cap auswirkt. In dieser Zeit kümmert man sich in der Regel um die Frage, ob man weiter mit einem Spieler zusammenarbeiten will und in Ruhe einen geeigneten Vertrag aushandelt, oder ob man den Spieler entlassen bzw. seinen Vertrag auslaufen lassen möchte. Dass höchstwahrscheinlich niemand Rodgers entlassen will, ist klar, und mit aktuell 34 wird es möglicherweise sein letzter großer Vertrag sein. Es wird (zu Recht) spekuliert, dass Aaron Rodgers den teuersten der NFL-Geschichte erhält. Hier etwas auszuhandeln, was Aaron gerecht wird, ihn bei uns hält, aber unseren Salary Cap für die nächsten Jahre nicht in die Luft sprengt, wird auf jeden Fall eine große Aufgabe sein.
Hinzu kommt folgendes Gedankenspiel: Als Aaron Rodgers in der ersten Runde gedraftet wurde, war Favre 35. Aaron Rodgers wird dieses Jahr 35 – und wie auch jetzt hat Thompson damals frisch übernommen, als er Rodgers draftete. Favre spielte zwar auch nach dem Draft von Rodgers und dessen Übernahme 2008 3 Saisons bei anderen Teams weiter, was ich von Rodgers nicht erwarte – ich gehe eher davon aus, dass Rodgers seine Karriere bei uns beenden und deshalb noch einige Saisons für uns spielen wird – aber trotzdem ist es an der Zeit, darüber nachzudenken, einen Nachfolger auszubilden. Bei der diesjährigen hochgelobten QB-Class wäre es auf jeden Fall eine Überlegung wert.

Außerdem fehlt in unserer Defense ein Playmaker. Da man diese nicht auf der Straße der Free Agency einfach mal rumliegen findet, wird es die Aufgabe von Gutekunst sein, einen für uns zu draften. Ein Pass Rusher wäre das, was wir am meisten benötigen, an sich könnte aber jede x-beliebige Defense-Position ein Upgrade gebrauchen, weshalb man keinen etwas schlechteren Pass Rusher nehmen sollte, wenn noch eine deutlich bessere andere Option besteht.  Aber für dieses Vorhaben geht höchstwahrscheinlich unser diesjähriger Firstrounder drauf – einen QB in der ersten Runde draften? Also eher nicht.

Mit dem Vertrag für Davante Adams haben Thompson und Ball Gutekunst zwar viel Arbeit abgenommen, gleichzeitig aber auch eine dicke Frage gestellt: Wie geht es mit unseren Wide Receivern weiter? Mit dem neuen Vertrag haben wir 3 sehr teuer bezahlte Wide Receiver. Cobb und Nelson haben beide diese Saison nicht das abgeliefert, was man von ihnen gewohnt ist. Natürlich – Rodgers fehlte. Besonders Nelson hat mit unserem Quarterback-Juwel ja eine ganz besondere Verbindung. Trotzdem muss man überlegen, ob – vorallem wenn wir mehr in der Free Agency aktiv werden und Rodgers einen teuren Vertrag bekommen soll – wir uns drei derart teure Receiver leisten können.

Brian Gutekunst äußert sich dahingehend dazu, dass er sagt: „Wir haben einen großartigen Mitarbeiterstab und wir werden für all das gut vorbereitet sein.“
Als wichtigstes Merkmal bestimmt er dann noch: „Du musst die Spieler (wirklich) kennen!“

Weiteres zu unseren Needs, der Free Agency, unseren Ab- und Zugängen, etc. gibt es aber nochmal in eigenen Berichten, hier nur die gröbsten Baustellen.

 

Wen hat Gutekunst denn alles gescoutet?

Wir wollen uns aber nicht nur mit der Zukunft beschäftigen und vermuten, sondern auch mal schauen, was Gutekunst in der Vergangenheit so geleistet hat. Natürlich weiß niemand so genau, wieviel Anteil er jetzt genau an welchem Draft hatte, trotzdem kann es ganz interessant sein, sich mal anzugucken, wer höchstwahrscheinlich von ihm ein „Hey, schaut euch den mal genauer an“ zu den Packers-Offiziellen bekommen hat. Wirklich aussagekräftig ist es nicht, deshalb ist es hinten angestellt, trotzdem ist es sehr interessant, sich das mal anzuschauen.

1999 & 2000

Schon in seinen ersten beiden Jahren als East-Coast-Scout waren beide Firstround-Picks der Packers aus „seiner“ Scouting-Region.

Defensive Back Antuan Edwars aus Clemson wurde 1999 in der 1. Runde von den Packers gedraftet. Nach einer starken ersten Saison als Backup mit 30 Tackles und 4 Interceptions, konnte er nicht so recht halten, was die Saison versprach. 2002 begann er die Saison als Starting-Safety, wurde aber schnell von einem Rookie abgelöst und beendete seine Saison mit 44 Tackles. Er verließ die Packers 2004 zu den Dolphins und kam mit drei weiteren Stationen bei den Rams, den Falcons und den Redskins (nur Preseason-Roster) auf insgesamt 8 NFL-Jahre.

2000 war der Tight-End Bubba Franks aus Miami unser First-Rounder. Nach einer vielversprechenden ersten Saison, schaffte er es 2001-2003 in drei Saisons in Folge in den Pro Bowl. Nach 8 Packers-Jahren wurde er 2007 nach mehreren Verletzungen entlassen und wechselte für eine Saison zu den Jets, wo er jedoch auch nur eine Nebenrolle spielte.

Im Draft 1999 wurde aus Gutekunsts Scouting-Region außerdem noch QB Aaron Brooks in Runde 4 gedraftet. In seiner Rookie-Saison kam er als 3rd-String hinter Brett Favre und Matt Hasselbeck auf keine Einsätze, deshalb wurde er zu den Saints getradet, wo er schon in der ersten Saison zum Starter wurde. In seinem allerersten Spiel gewann er gegen die St.Louis Rams (heute: LA Rams) und ist damit der erste Quarterback aller Zeiten gewesen, der in seinem ersten Spiel gegen den amtierenden SuperBowl-Champion spielte – und gewann! Nach 5,5 Jahren bei den Saints ging er zu den Raiders, wo er nach einem Jahr ohne neuen Vertrag aus der NFL ausschied.

Als letzter aus dieser Zeit zu erwähnen ist WR Charles Lee von der University of Central Florida, der 2000 in der 7. Runde gedraftet wurde. Dieser spielte zwei Jahre bei den Packers, ehe er zu den Bucs wechselte, mit denen er 2003 (ohne eigenen Catch) den Superbowl gewann. In der darauffolgenden Season konnte er mit 33 Catches für 432yds und 2 Touchdowns aber nichts an einem negativen Record ändern. Folgend mit einer Station bei den Arizona Cardinals 2005 war seine Karriere dann nach 6 NFL-Jahren und einem Ring beendet.

2001-2011

Da wir nicht jeden Spieler abarbeiten können, der aus Gutekunsts Scouting-Region gedraftet wurde, sind hier noch ein paar Highlights aus seiner Zeit als Southeast-Scout in Kurzform rausgepickt:

Wie schon in seinen ersten 2 Jahren wurden auch später mehrere 1.Round-Picks an Spieler aus Gutekunsts Region verteilt, man scheint ihm also vertraut zu haben.

Hervorzuheben ist der Pick aus 2002, hier wurde WR Javon Walker gedraftet. Als erster Spieler mit jeweils 100+ Receiving Yards in seinen ersten beiden Playoff-Spielen und einer Pro Bowl-Wahl 2004, stritt er sich schließlich mit den Packers-Offiziellen und auch mit Favre, sodass er zu den Broncos getradet wurde. Getreu dem Motto „Gut angefangen, stark nachgelassen“.

Aus Gutekunsts Scouting-Region gab es aber auch diverse Fehlgriffe, die nicht gut angefangen haben und deshalb gar nicht erst nachlassen konnten. 2001-Firstrounder Jamal Reynolds kam nie wirklich in Green Bay an. Nach einem geplatzten Medizincheck bei den Colts wurde Reynolds schon 2004 von den Packers entlassen. Noch schneller entlassen wurde Cornerback Ahmad Carroll, der den 2004er Firstround-Pick bekam. Er hatte sich nicht im Griff und produzierte viel zu viele Fouls. Gar nicht erst eine Chance, sich zu beweisen, hatte der 2007er Firstrounder Defensive Tackle Justin Harrell. Er war eigentlich nur verletzt, machte in 4 Jahren nur 14 Spiele und wurde nach der SuperBowl-Saison (ohne Beteiligung) entlassen. Der 2011 in der ersten Runde gedraftete Offensive Tackle Derek Sherrod tat es ihm gleich. Er verletzte sich in seiner Rookie-Saison und sein restlicher Aufenthalt bei den Packers verbrachte er größtenteils auf Verletztenlisten.

Ein sehr guter Draftpick aus der Scouting-Region von Gutekunst wurde 2005 gewählt. Alle sind jetzt gespannt, aber es war nicht Aaron Rodgers! Der angesprochene Pick war der Secondrounder Nick Collins (Free Safety). Zusammen mit seiner dritten Wahl in den Pro Bowl (2008-2010) stand er bei unserem Super Bowl-Sieg 2011 als Starter auf dem Feld. In der darauffolgenden Saison verletzte er sich am Nacken und konnte daraufhin kein NFL-Spiel mehr bestreiten. 2016 wurde Collins in die Packers-Hall of Fame aufgenommen.

Möglicherweise auch bekannt ist Offensive Guard Josh Sitton, 2008 in der 4. Runde gedraftet. Nach einer Verletzung in der Rookie-Saison startete er seit 2009 für die Packers jedes Spiel, so auch den Superbowl. Mit seinen Pro Bowl-Teilnahmen 2012 und 2014-16 kommt er auf insgesamt vier, ehe er 2016 von den Packers entlassen wurde und seitdem bis heute bei den Chicago Bears spielt.

2010 in Runde 2 gedraftet gibt es noch Morgan Burnett. Zu Burnett braucht man wenig zu sagen. Heute noch bei den Packers, ist er wohl jedem bekannt. Er absolvierte diese Saison 12 Spiele, die anderen fehlte er verletzungsbedingt. In seiner Rookie-Saison spielte er 4 Spiele, bevor er sich verletzte und den Super Bowl damit verpasste. Mehr zu Burnett und seiner Vertragssituation wurde ja schon angesprochen.

Als letzten erfolgreichen Pick bevor Gutekunst 2012 vom College Scout zum Scouting Direktor wurde, wäre noch der 2.Runden-Pick aus 2011 zu nennen: Randall Cobb. Als erster NFL-Spieler, der in den 90ern geboren wurde, erzielte er direkt im ersten Spiel einen Touchdown nach Pass von Rodgers. Außerdem holte er sich mit seinem 108yd-Kickoff-Return-TD im selben Spiel den „Play of the Year“-Award und hält damit (geteilt) den Rekord für den längsten Kickoff-Return-TD der Geschichte. 2014 war er Pro Bowler, aber was erzähle ich eigentlich – jeder kennt Randall Cobb!

Da Gutekunst wie vorher schon erwähnt ab 2012 College Scouting-Direktor war, ist es schwer, in der Zeit ab 2012 herauszustellen, was seine Leistungen waren. Schaut euch einfach diverse Drafts an, er wird überall seine Finger im Spiel gehabt haben.

 

Viele Infos, viel Tam-Tam. Wie er sich schlägt, werden wir erst sagen können, wenn Gutekunst eine oder mehrere Saisons gearbeitet hat.
Viel Erfolg von meiner Seite! #GoPackGo

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