Allgemein Offseason 2018

Good Bye, Jordy!

Allein die Überschrift hat mich viel Zeit gekostet. Der Schock sitzt tief bei allen Packers Fans auf der Welt.
Die Packers haben um 22 Uhr am 13.03. deutscher Zeit bekannt gegeben, dass WR Jordy Nelson entlassen wird. Die Entscheidung, Jordy zu entlassen, ist laut Gutekunst erst in den letzten Tagen gefallen. Angesprochen darauf, wie Aaron Rodgers in die Entscheidung eingebunden wurde und wie er reagierte, sagte Gutekunst, man habe ihn im Nachhinein über die Entscheidung in Kenntnis gesetzt, über dessen Reaktion wollte er nicht sprechen.

Obwohl Brian Gutekunst in der Pressekonferenz zur Entlassung sagte, dass mit dem Alter natürlich ein Abfallen der körperlichen Fitness einher geht, ansonsten lobte er ihn aber durchweg. Jordy sei für seine mentale Vorbereitung auf die Spiele bekannt, aber auch im Spiel sei er immer wieder ein Spieler, der dem Quarterback zuarbeitet. Er habe großartige Hände, selbst wenn er von Verteidigern gedeckt ist, macht er immer noch starke Catches, das habe ihn sehr beeindruckt. Er lobte vorallem seine starke Verbindung mit Aaron Rodgers.

Das Sachliche: Mögliche Gründe für die Entlassung

Vorweg das, was keiner hören will. Nelson hatte in 2017 sein Career-Low in Yards und Touchdowns seit er Starting-Wide Receiver ist. Sogar in seiner letzten Nicht-Start-Saison erzielte er 100 Yards mehr als letzte Saison. Zusammen mit einem enormen Geschwindigkeitsverlust in der letzten Saison ist dies wohl die sportliche Ursache.

Außerdem hätte er einen Cap Hit von 12.5 Millionen Dollar gehabt. Mit seiner Entlassung bleibt nur noch ein kleiner Dead Cap in Höhe von 2.3 Millionen aus dem Signing Bonus übrig. Die Packers sparen also 10.2 Millionen Dollar and Cap Space und erhöhen den freien Platz im Roster auf ca. 30 Millionen Dollar (abzüglich der geschätzten Gehälter der Neuverpflichtungen Jimmy Graham – ca. $30 Millionen über 3 Jahre – und Muhammad Wilkerson – $5 Millionen + $3 Millionen Bonuszahlungen über 1 Jahr – siehe PackersGermany Liveblog).

Jordy Nelson ist schon etwas länger vorallem Red Zone-Target. Seine besten Plays macht er dort. Mit der Verpflichtung von Tight End Jimmy Graham kurz vor der Entlassung holen die Packers Red Zone-Target Nummer 1 der Seahawks. Möglicherweise glaubt man in Green Bay, dass Jordy Nelsons Arbeit somit überflüssig ist und er somit auch unter Rodgers an Produktivität verliert.

Das Sachliche: Wieso die Entlassung falsch war

Wer entlässt einen Receiver, der League-Leader in Touchdowns ist? Richtig, niemand. Und was war Jordy bis zu Aaron Rodgers‘ Verletzung? Richtig, League-Leader in Touchdowns. Nach nur 4 gespielten Spielen führte er bis zur Verletzung von Aaron an Spieltag 5 die Liga mit 6 Receiving Touchdowns an. Hochgerechnet auf die Saison hätte er damit 22 Touchdowns gefangen. Ok, das ist vielleicht etwas unrealistisch, aber betrachtet man die 13 Touchdowns vom besten Spieler in gefangenen Touchdowns am Ende des Jahres (DeAndre Hopkins, Texans), so hat Nelson in 4 Spielen schon die Hälfte des Topwerts gefangen.

Mit 230 Yards in 4 Spielen hat er auch dort zwar keine überragenden, aber zumindest gute Werte abgeliefert. Hochgerechnet auf 16 Spieltage wären das 920 Receiving Yards und somit Platz 22 der NFL. Ok, es war schon Spieltag 5, Jordy fehlte nämlich an Spieltag 2. Aber selbst wenn ich den Durchschnitt von 46 Yards pro Spiel aus den ersten 4 Spielen nur auf 14 Spieltage (Nelson fehlte am 17. Spieltag verletzt) hochrechne, komme ich noch auf 805 Yards unter Rodgers – das wäre Platz 33 und Jordy würde immer noch vor Superbowl Siegern wie Nelson Agholor landen.

Jordy Nelson hat bisher 47 Millionen Dollar bei den Packers verdient. Das sind in etwa 5,2 Millionen pro gespielter Saison (9 Saisons, 2015 war Nelson verletzt, mehr dazu später) und sogar nur 4,7 Millionen auf alle 10 Jahre gerechnet. Andere Top-Receiver sind da deutlich höher dabei. Doug Baldwin bspw. wird nach seinem aktuellen Vertrag ebenfalls 10 Jahre auf dem Buckel haben und hat dann 60 Millionen eingenommen. Mit durchschnittlich 7,4 Touchdowns und 958,2 Yards pro Starting Season kommt dieser an die 10,5 Touchdowns und 1096 Yards von Jordy Nelson absolut nicht ran – die schwache letzte Saison von Nelson nicht herausgerechnet!

Ich halte 10 Millionen Gehalt (+ Signing Bonus-Anteil) für einen Receiver von Jordys Qualität zumindest nicht für stark überbezahlt. In einem Interview im Dezember hat Jordy Nelson angekündigt, er sei dazu bereit, über eine Gehaltskürzung (bzw. Neustrukturierung des Vertrags) nachzudenken. Rob Demovsky sagte zwar, dass Nelson Teamkollegen gegenüber wohl andere Aussagen getätigt habe, trotzdem ist ein öffentliches Statement zu so einem Thema zumindest in gewisser Weise eine Verpflichtung. Dass Brian Gutekunst in der Pressekonferenz darauf angesprochen, ob man Nelson einen Paycut vorgeschlagen habe, keine Auskunft geben wollte, hilft uns hier aber bei Spekulationen wenig weiter.

Die Redaktion trauert: Einzelmeinungen zu Jordy Nelsons Entlassung

Alex (Twitter: @Barschlamperich)

Jordy Nelson, dieser Name steht seit 2008 für 550 Receptions, 7,848 Yards und 69 Touchdowns für Green Bay, für Green and Gold, für die Green Bay Packers. Er gilt als der kongeniale Partner von Aaron Rodgers, sein Zwilling.  Er lebte Green Bay mit jeder Faser seines Körpers. Er verstand sich als Cheesehead, der das Privileg hatte für diese Farben aufzulaufen. Der Gedanke, Nelson könnte in einem anderen Trikot auflaufen, er ist für mich verstörend und traurig zugleich.  Sicher, die letzte Saison lief für Nelson nicht optimal. Nach einem fulminanten Start, bei dem er TD Leader der NFL war, brach er, nach der Verletzung von Rodgers, total ein und war bis zum Saisonende quasi nicht mehr vorhanden. Ich glaube aber nicht, daß er diesen Trend in dieser Saison fortgesetzt hätte und er eine Chance verdient gehabt hätte. Leider wurde ihm diese Chance nicht gegeben.
Jetzt bleibt mir nur der Abschied und mich zu bedanken.
Danke Jordy Nelson, danke für 550 Receptions, 7,848 Yards und 69 Touchdowns für Green and Gold, für meine, für deine, für unsere Packers!

Felix (Twitter: @Febu03)

Jordy Nelson. 2008 gedrafted und vom ersten Moment an besonders. In den ersten Jahren als Returner, später als der Lieblingsreciever von Aaron Rodgers, immer machte es Spaß, dich auf dem Feld zu sehen. Sobald es in die RedZone ging, wurde immer nach dir gesucht, weil klar war, das Großes bevorstand. Du und Aaron, das war was besonderes. Kein anderes QB/WR Duo der NFL kann sich so blind aufeinander verlassen, da bin ich sicher. Der klassische Back-Shoulder Wurf und Catch, das war euer Ding. Du warst nie derjenige, der sich mit den Refs anlegt oder Stress mit dem Trainer hat. Du warst in der Kabine einer der am meisten gemochten Spieler, und jeden Sommer durften einige Kinder aus Green Bay und Umgebung auf ihren Fahrrädern mit dir vom Lambeau Field zum Trainingsgelände radeln. Und das auch lange nachdem das nicht mehr durch die Packers vorgeschrieben war. Dein Softball Benefiz Spiel jeden Sommer in Green Bay war ebenso besonders. Es passt, dass dein Team die letzte Ausgabe gewonnen hat, und dass du zu diesem Sieg 5 Home Runs beigesteuert hast. Du warst einzigartig, aber wolltest nie im Mittelpunkt stehen.  Jordy, du warst ein besonderer Spieler, Teamkollege und Mensch für alle Menschen in Green Bay, Wisconsin, den USA, und weltweit. Ich wünsche dir alles, alles Gute auf deinem weiteren Weg, und hoffe man sieht sich wieder, spätestens in Canton, Ohio, wenn du deinen verdienten Platz in der Hall of Fame bekommst. Danke, Nummer 87, für 9 ganz Besondere Jahre. Du wirst mir fehlen.

Max (Twitter: @KaesekopfDE)

Danke Jordy. Danke für das, was du für die Packers geleistet hast. Mit dir haben wir einen Super Bowl geholt, deine Pregame Routine mit Aaron ist ein Ritual, das uns für immer fehlen wird. Euer Abklatschen nach dem Touchdown war unspektakulär und deswegen noch ein ganzes Stück lässiger (siehe Bild oben).

Aaron und Du, ihr hattet eine magische Verbindung, als seien eure Gehirne verknüpft gewesen. Es hat immer Spaß gemacht, dir beim Footballspielen zuzuschauen. Du bist kein Mann großer Eskapaden, du hast deine Arbeit auf dem Feld erledigt, ohne dabei wie ein OBJ dauernd mit dummen Aktionen aufzufallen. Du hast in deiner Karriere eine Menge Geld verdient und bist doch immer auf dem Boden geblieben. In einem Interview das du gegeben hast, hast du sogar erzählt, dass du in der Offseason deinen Eltern auf der Farm hilfst.

Ich bin ein Bewunderer deines Spiels. Du warst nie der schnellste Mann auf dem Feld und doch bist du den Cornerbacks regelmäßig davongelaufen. Du hast uns 69 Touchdowns gebracht. 69! Das ist unglaublich. In der Redzone hatte jedes Team Angst vor dir. Ich hatte immer das Gefühl, dass du in der Redzone eine Route in eine völlig andere Richtung als geplant laufen kannst und Aaron weiß trotzdem blind, wo du bist, wirft dich an und du fängst den Ball. Du hast gefühlt nämlich auch keinen Ball fallen gelassen.

Du hast Mannschaftsgeist bewiesen, du hast menschliche Größe. Du hast so viel für die Gemeinschaft in Green Bay, für die Menschen um dich herum getan. Mit deinen Veranstaltungen hast du eine Menge Geld für die gute Sache eingenommen. Du hast dich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt. Für andere Teams magst du deswegen ein unauffälliger Spieler gewesen sein, aber wir Packers-Fans können dir nicht genug danken. Du hast immer mit deinen Leistungen überzeugt.

Wir trennen uns im Guten. Auch wenn unsere Wege in andere Richtungen führen mögen, so werden dir alle Packers-Fans immer verbunden bleiben. Du hast einen festen Platz in unseren grün-goldenen Herzen.

Ich wünsche dir bei deinem neuen Verein alles, alles Gute. Du wirst immer in Lambeau Field willkommen sein, da bin ich mir sicher. Deine Nummer werden sie hoffentlich in einen schönen Rahmen packen und im Stadion aufhängen und in nicht allzu ferner Zukunft wirst du verdientes Mitglied der Packers Hall of Fame sein.

Nik (Twitter: @NikxxMisan)

Wer den obigen Text gelesen hat, der wird schon festgestellt haben, dass ich nicht überzeugt bin. Er hat (unter Rodgers) immer abgeliefert. Ja, unter Hundley kam er nicht mehr so richtig zum Zug, aber ähnlich wie Nelson Rodgers‘ Receiver war, hat Hundley eben Adams ausgewählt, um ihn zu seinem Top-Target zu machen. Ich denke, dass die ersten 5 Saisonspiele sehr gut gezeigt haben, zu was Nelson im Stande ist, wenn er sinnvolle Pässe bekommt. Zusätzlich dazu kommt, dass Hundley Nelson auch einfach viel schlechter aussehen ließ, als er war. Teilweise war er komplett offen, frei zum Touchdown, bekam aber einfach den Pass nicht. So zum Beispiel in folgender Szene, als Hundley ihn einfach nicht sieht und gesackt wird.

Quelle: Twitter @JuMosq

In Jordy steckt noch so viel mehr, als er bis jetzt bei uns zeigen durfte. Es macht mich traurig, dass Jordy Aaron und unser Team nicht unterstützen kann auf dem Weg zum nächsten Superbowl. Egal, wer ihn verpflichtet, der kann sich sicher sein, dass ich dieses Team ein deutliches Stück sympathischer finde. Bitte lass es weder ein NFC North-Team noch die Patriots sein, die will ich einfach nicht mögen.

Nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz war Jordy ein super Teamplayer und ein hervorragender Mensch. Er hat sich viel für wohltätige Zwecke eingesetzt und war, so kann man es diversen Abschiedsposts seiner Teamkollegen entnehmen, nicht nur ein guter Teamkamerad sondern ein ebenso guter Freund. Viel Erfolg auf deinem weiteren Weg, wir werden dich vermissen!

Good Bye, Future Packers-Hall of Famer!

Sebastian (Twitter: @der_bauer)

Packer. Wide Receiver. Super Bowl Gewinner. Pro Bowler. Musterprofi. Teamkamerad. Und vor allem guter Mensch. Es ist schwer zu ertragen, einen menschlich so vorbildlichen und mitreißenden Footballer wie Jordy Nelson ziehen lassen zu müssen. Er ist Green Bay, mit jeder Faser, mit gold-grünem Blut.

Es wird kaum Mannschaften geben, die sich nicht nur den Menschen, sondern insbesondere auch den Spielertyp Jordy Nelson wünschen. Über Jahre hat er seine Leistung gebracht. Und die war nie nur durchschnittlich. Sein Offensivspiel hat die Packers mitgetragen, seine sportlichen Verdienste sind gar nicht hoch genug anzurechnen. Heißt: Den Verein unseres Herzens verlässt eine lebende Legende. Das ist schwer zu ertragen. Auch und vor allem weil man ein kongeniales und funktionierendes Duo Rodgers/Nelson trennt.

Die andere Seite der Medaille ist die, dass es sich am Ende auch in Green Bay um das Big Business NFL handelt. Es ist das Geschäft, dass selbst Legenden gehen müssen. Ob das zum erwarteten sportlichen Ergebnis führt, bleibt abzuwarten.

Das zu bewerten ist zu früh. Noch sitzt der Schock zu tief, dass Jordy Nelson bald nicht mehr das Packers-Trikot tragen wird. Und es könnte noch schlimmer kommen, wenn Nelson in Zukunft das Jersey einer anderen Mannschaft überstreifen sollte.

Abschließende Worte

Zum Abschluss bleibt uns nur, ganz laut Danke! zu sagen. Ob es der erste Touchdown im Super Bowl XLV war, der uns den Sieg eingeleitet hat, seine grandiosen Saisons 2013 und 2014, als er mit seinen Stats beeindruckte oder sein überragendes Comeback nach seiner Verletzung in der Saison 2015, woraufhin er 2016 14 Touchdowns fing und als League-Leading Receiver in Touchdowns aus der Regular Season hervorging.

Insgesamt 69 Touchdowns, davon 64 von Aaron Rodgers (zu 9 Interceptions und einem Passer Rating von 123.9), zeigen eindeutig, was er alles für uns getan hat und wie gut er mit Aaron harmonierte.
Viel Erfolg auf deinem weiteren Weg (außer gegen die Packers natürlich)!

#GoPackGo

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