Allgemein Draft 2018 Offseason 2018

Draft 2018 – EDGE-Rusher

Wenn die Pocket kollabiert…

…dann sind bestimmt auch die EDGE-Rusher beteiligt!
Während die Edge-Rusher in 4-3-Defenses in der Defensive Line stehen und als Defensive Ends antreten, spielen wir eine 3-4-Verteidigung und so kommen bei uns die Outside Linebacker “um die Ecke” zum Quarterback, um diesen zu Fall zu bringen.

Matthews, Perry… – Unsere Edge-Rusher

Zu Beginn möchte ich kurz mal darauf schauen, wen wir aktuell im Roster haben.
Unsere Starter letzte Saison waren Clay Matthews und Nick Perry. Mit 7 Sacks bei Perry und 7.5 Sacks beim Claymaker hatten wir in der letzten Saison definitiv keine zufriedenstellenden Werte vorzuweisen. Es wird spekuliert, ob Matthews zu alt für die Edge-Position ist und ob er in der Mitte besser aufgehoben wäre, das würde jedoch relativ klar eine Starterposition öffnen – mal ganz davon abgesehen, dass man auch bei Perry über ein Upgrade nachdenken könnte.
Mit Kyler Fackrell haben wir einen aufstrebenden OLB im Roster, der letzte Saison schon sporadisch zum Einsatz kam und es auf 3 Sacks brachte. Bisher hat er nicht unbedingt das geleistet, was man sich von ihm erwarten würde. Ahmad Brooks, der als Veteran-Lückenfüller für eine Saison geholt wurde, konnte mit 1.5 Sacks nicht überzeugen und ist Free Agent. Dass wir den 34-Jährigen zurückholen, halte ich für unwahrscheinlich. Also bleibt noch Vince Biegel. Der Edge-Spieler aus dem letzten Draft war lange verletzt und schaffte es nie so richtig aufs Feld, hier haben wir also quasi einen etwas fortgeschritteneren Rookie, der die Edge-Gruppe auffüllt. Weiteres hierzu auch noch in meinem Recap 2017 – Defense.

Im Folgenden gehe ich die besten Edge-Spieler im NFL Draft 2018 durch und gebe meine Einschätzung ab. Hierfür werde ich meine Analyse in die verschiedenen Tage, an denen ich erwarte, dass die Spieler gedraftet werden, aufteilen, die ich gescoutet habe. Die Reihenfolge der Nennung ist ebenso auch meine Reihenfolge der Stärke der Spieler. Ihr habt noch andere Vorschläge? Postet sie gerne in die Kommentare oder schreibt mir (@NikxxMisan) auf Twitter, dann schaue ich mir sie an und werde diesen Bericht bis zum Draft noch ergänzen! Für weitere Einschätzungen zu den Top-Prospects und wo sie landen könnten, empfehle ich, in meinen aktuellsten Mock Draft reinzuschauen!

NFL Draft 2018 – Tag 1 / Runde 1

Bradley Chubb, NC State

Der wohl beste Edge-Spieler im diesjährigen Draft ist Bradley Chubb aus North Carolina. Der 1,93m große Rusher hat einen starken Get-Off (die Fähigkeit, nach dem Snap schnell in den Rush zu kommen) und eine gute Antizipation, wenn es um das Erkennen von Play Action-Spielzügen geht. In den letzten zwei Jahren auf dem College produzierte er jeweils 10 Sacks (13 bzw. 12 Spiele) und zusammen 4 Forced Fumbles. Zu seinen Stärken gehört sein unglaublich starker Durchsetzungswille, er kämpft immer bis zum Schluss und macht so auch mal Plays, die eigentlich schon verloren wirkten. Meiner Meinung nach ist das aber auch eine der Schwierigkeiten, die man mit Chubb hat. Oft zieht er bis zum Ende durch, obwohl der Quarterback den Ball schon losgeworden ist, das ist oft zumindest an der Grenze zu einem Roughing the Passer (Angriff gegen den QB nachdem dieser geworfen hat), was in der NFL bestimmt öfter geahndet wird als im College.

Mal davon abgesehen, dass Chubb an 14 wahrscheinlich nicht mehr zur Verfügung steht (Die Colts werden als heißer Favorit gehandelt, nach deren Trade zurück wird er aber auch mit den Browns und Broncos in Verbindung gebracht. Nach dem Trade von Jason Pierre-Paul werden auch die Giants als mögliche Abnehmer für Chubb gehandelt), ist er nicht der schnellste Spieler und wird gerade in einer möglichen Passverteidigung schwach aussehen, Chubb ist also mehr ein 4-3-Defensive End als ein 3-4-Outside Linebacker bzw. ein Hybrid – für uns also sowieso eher ungeeignet, da wir eine 3-4-Defense spielen und Mike Pettine eine variable Defense haben möchte.

Marcus Davenport, UTSA

Ein großer Kritikpunkt von Davenport ist, dass er von der University of Texas at San Antonio und somit aus keinem Top-College-Team kommt. Trotzdem sind seine Qualitäten recht unbestritten. Er ist 2,01m groß und wiegt 115kg. Er ist schnell, athletisch, groß und hat lange Arme, mit denen er gut gegen den Block arbeiten kann. Mit 8.5 Sacks in 11 Spielen, 3 Forced Fumbles (davon einen zum TD zurückgetragen) und 4 verteidigten Pässen kommen seine Werte definitiv an die von Chubb ran – wobei dieser eben in einem Top-Team gegen Top-Teams spielte. Mit überragenden Leistungen überzeugte Davenport aber spätestens im Senior Bowl, bei dem zwei Sacks in einem zum Touchdown zurückgetragenen Forced Fumble endeten. Trotz der vergleichsweise eher schmächtigen Figur schaffte er beim Bench Press des Combine 22 Wiederholungen und kommt damit auf ein ähnliches Niveau wie die Top-Performer dieser Kategorie Bradley Chubb und Harold Landry. Trotzdem verpasst er von Zeit zu Zeit relativ sichere Tackles, hier könnte etwas mehr Masse und besseres Tackletraining definitiv helfen, er ist aber noch ein recht roher Spieler.

Davenport ist nicht unbedingt der Spieler, den man nimmt, wenn man von Anfang an Topleistungen möchte. Dafür ist er – bei richtiger Entwicklung – meiner Meinung nach der Edge-Spieler mit dem größten Potential im gesamten Draft. Wir haben in Pettine einen guten Defensive Coordinator und mit Matthews und Perry zwei starke Veterans, von denen Davenport lernen kann. Wenn er an 14 noch da ist, wäre er mein Pick, sollten wir diese Position im Draft erweitern wollen.

Arden Key, LSU

Key ist der wohl interessanteste und umstrittenste Spieler in der Kategorie der Edge-Rusher, wenn nicht sogar im gesamten Draft. Mit 1,98m und 120kg hat er eine ähnliche Statur wie Davenport, seine schnellen Beine machen ihn sehr dynamisch. Er verteilt nicht die härtesten Hits, dafür hittet er sehr effektiv. Wenn er mal nicht hinkommt, springt er gut hinterher und bringt Spieler auch gerne mal durch einen Griff an die Füße zu Fall. Ihm wird nachgesagt einen größeren Einfluss als Myles Garrett zu haben. 2016 erreichte er 11 Sacks und 2 Forced Fumbles, was wohl die beeindruckendste Leistung im ganzen Draft ist. Doch man merkt schon: 2016. Neben seinen starken Leistungen sind es nämlich seine “Off the Field”-Probleme, die ihn so umstritten machen. Letzte Saison nahm er eine mysteriöse Auszeit, aus der er an der Schulter operiert und stark übergewichtig zurückkehrte. Neben Verletzungsproblemen hielt ihn das in der letzten Saison sehr zurück, öffentliche Aussagen, was in dieser Auszeit passierte, gibt es nicht, jedoch sagte Key, er habe beim Combine den GMs Rede und Antwort gestanden. Ob das die GMs davon abhält, ihn zu draften, kann ich schlecht sagen. Insiderkreise bezeichnen ihn jedoch als einen Verrückten (“headcase”).

Ohne diverse “Off-the-Field”-Probleme und zum Stand nach der letzten Saison ist er für mich sogar der beste Edge-Spieler im Draft, diese ganzen Geschichten und seine Gewichtsprobleme ziehen ihn aber sehr stark runter. Leistungstechnisch könnte ich mir Key sogar an 14 vorstellen, weiteres kann aber wohl nur Gutekunst bzw. die Internen entscheiden, da wir eben die Background-Geschichten nicht kennen.

Sam Hubbard, Ohio State

Lange war Hubbard für mich die Nummer 5 – bis er mich beim Combine absolut überzeugte. Der Edge-Spieler aus Ohio ist ein verdammt starker Tackler. Ist er einmal an seinem Gegenspieler dran, liegt der definitiv auch am Ende auf dem Boden. Er hat einen guten Game Sense und ist gut gegen den Block, sein größtes Problem, das ich im Tape gesehen habe, war seine Geschwindigkeit. Im Combine hat er das Gegenteil bewiesen, er hat die Geschwindigkeit, die ich nicht gesehen habe. Mit 7 Sacks bei 2 Forced Fumbles kommen seine Werte nicht an die der bisherigen 3 ran, trotzdem zeigt es eine eindeutige Richtung.

Auch wenn er mich im Combine von seiner Geschwindigkeit überzeugt hat, glaube ich, dass seine Stärken auf dem Weg zum Quarterback liegen. Er ist als 4-3-Defensive End wesentlich besser geeignet, denke ich. Mit genug Training könnte er auch den 3-4-Outside Linebacker lernen, aber wieso etwas anderes aus ihm machen, als er ist, wenn er das gut macht? Für uns eher eine Notlösung, als der Plan.

Harold Landry, Boston College

Wer beispielsweise meinen ersten Mock Draft gelesen hat, der weiß, dass ich nicht der Landry-Fan bin. Auch wenn er beim Combine der absolute Top-Performer unter den Edge-Rushern war, fällt er doch trotz des Combines hinter Hubbard. Wieso? Weil er nur bestätigt hat, was ich eh schon wusste – er ist schnell und athletisch. Hubbard hat mich von etwas neuem überzeugt. Und genau hier liegen auch die Stärken von Landry, er überrumpelt oft die Tackles und rennt frei vorbei. Wenn dann der Runningback nicht bereitsteht, um ihn abzufangen, liegt der Quarterback bestimmt am Boden, denn tacklen kann Landry gut.
Die größte Schwäche des nur 1,90m-großen Rushers ist die Arbeit gegen einen Block. Tremayne Anchrum aus Clemson hat eindeutig bewiesen, wie leicht es ist, Landry aus dem Spiel zu nehmen, wenn man sich ihm nur in den Weg stellt. Seine Armarbeit ist schwach – und die Tackles werden in der NFL nicht schlechter.

Für Pick 14 ist mir Landry zu schwach, sollten wir zurücktraden wäre er aber eine Möglichkeit. Ich wäre eher unglücklich, sollten wir Landry in Runde 1 holen, aber rein objektiv gesehen wäre es in etwa ab 2/3 der ersten Runde ein passender Pick.

Die “kreative Option”: Tremaine Edmunds, Virginia Tech

Abseits dieser Reihenfolge wäre mit Pick 14 außerdem Tremaine Edmunds eine Alternative. Er ist kein gelernter Edge-Rusher, weshalb er hier außerhalb meiner Rangliste läuft, er ist aber definitiv ein starker Rusher – sowohl über innen als auch über außen. Er ist Linebacker, spielt aber nicht 3-4-Outside, seine Edge-Rush-Erfahrung beläuft sich also “nur” auf Blitz-Spielzüge. In denen überzeugte er aber sowohl über innen als auch über außen. Der Vorzeigeathlet ist mit seinen noch 19 Jahren extrem jung und somit hat er noch viel Zeit vor sich. Manchmal ist er etwas langsam im Get-Off, das macht er aber durch Geschwindigkeit und einen hervorragenden Game Sense wieder gut. Mit “nur” 5.5 Sacks (als Inside Linebacker aber ein guter Wert) kommt er auf 108 Tackles und 3 Forced Fumbles in der letzten Saison – eine beeindruckende Statistik. Seine allergrößte Stärke hat er in seiner Fähigkeit, sich in Sekundenbruchteilen von seinem Blocker zu lösen, um entlang der Line of Scrimmage zu sprinten und den Rusher oder einen scrambelnden Quarterback zu tackeln.

Besonders seine Variablität könnte uns sehr gut weiterhelfen. Auch wenn wir mit Blake Martinez und Jake Ryan zwei starke Inside Linebacker haben und Clay Matthews auch in der Mitte antreten soll, wäre Edmunds die Allzweckwaffe und wir wären recht unausrechenbar, was laut Pettine ein Ziel seiner Defense sein soll, waren wir doch die letzten Jahre unter Capers recht strikt bei einer Standard-3-4-Defense. Sollten wir Edmunds an 14 kriegen können, ist es definitiv eine Überlegung wert, ihn einem “wahren Edge-Rusher” vorzuziehen.

NFL Draft 2018 – Tag 2 / Runde 2 & 3

Lorenzo Carter, Georgia

Bei Georgia steht Carter ein bisschen im Schatten von Roquan Smith, dem Inside Linebacker, der höchstwahrscheinlich Mitte erster Runde im Draft weggehen wird. Gleichzeitig profitiert er aber auch von dessen Leistung, er ist als Einzelspieler schwer einzuschätzen. Er zeigt immer wieder, was er alles kann, das zeigt er aber sehr unregelmäßig. Von einem Spiel gegen Alabama, wo er absolut nichts hinkriegt und sogar einen einfachen Sack verpasst, über ein Spiel gegen Clemson, wo er die meiste Zeit relativ unauffällig ist (und dann am Ende einen gegnerischen FG-Versuch zum Sieg blockt) bis hin zu einer Glanzleistung gegen NotreDame mit 3 Forced Fumbles (davon ein Stripsack) und fast sogar noch einer Interception ist bei ihm alles dabei. Sein Potential ist definitiv hoch und allein das betrachtet würde ich ihn in die erste Runde sortieren, die Konstanz macht ihm das aber leider kaputt.

Sollten wir uns in der ersten Runde beispielsweise für einen Cornerback entscheiden und die anderen Möglichkeiten sind (wie ich denke) in der zweiten Runde schon weg, wäre Carter definitiv mein Wunschpick. Er gefällt mir immer mehr, je länger ich mir ihn anschaue. Seine gute Passverteidigung für einen 3-4-OLB und seine Variablität würde unserer Verteidigung sehr gut stehen, sollte er konstant Leistung abliefern.

Josh Sweat, Florida State

In meinem ersten Mock Draft habe ich Josh Sweat noch in der ersten Runde gesehen, da habe ich mich aber etwas zu verleiten lassen, weil ich nicht so recht wusste, wen ich den Patriots zuschieben soll. Nach mehr Tape sehe ich ihn etwas weiter hinten. Mittlere bis späte zweite Runde könnte seine Zeit kommen. Sweat ist definitiv ein Power-Horse. Mit 1,96m und 120kg hat er Masse und auch die Kraft, OLiner vor sich her zu schieben, als stünden sie auf Rädern. Gleichzeitig hat er aber auch eine gute Geschwindigkeit, um mit einem schönen Move um den Tackle herum zu arbeiten. Er übt nahezu jeden Snap Druck auf den Quarterback aus, das gefällt mir sehr gut, jedoch braucht er viele Anläufe, um wirklich bis zum Quarterback zu kommen. Er kann sich schnell vom Lineman lösen und die Line of Scrimmage entlang sprinten, um einen scramblenden Quarterback oder den Runningback zu Boden zu bringen. Mit allem, was er kann, kommt er aber “nur” auf 12.5 Sacks in den letzten 2 Jahren. Er hat definitiv Big Play-Potential und arbeitet immer gut, so richtig effektiv ist er aber nicht. Sein größtes Problem ist der Get-Off beim Snap. Er ist viel zu langsam, egal ob er mit der Hand unten an der Line oder aus dem Stand startet. Das könnte ein Grund sein, wieso er es selten bis zum Quarterback schafft. In der NFL geht der Ball wahrscheinlich noch eher aus den Händen des Quarterbacks, da wird das noch schwerer.

Er könnte genau das sein, was die Packers weiterbringen könnte. Er ist variabel als 3-4-OLB, als 4-3-DE und als 3-4-DE einsetzbar. Mit seiner Geschwindigkeit und Kraft kommt er über außen sehr gut, aber kann auch die Innenseite bearbeiten. Er ist ziemlich fertig, um direkt zu starten und ein Team nach vorne zu bringen. Das Problem: So richtig Verbesserungspotential besteht nicht. Um an seinem Spiel etwas zu verbessern und ihn zu einem Topspieler zu machen, muss man sich wirklich intensiv mit ihm persönlich auseinandersetzen. Sollten wir nochmal in die zweite Runde hochtraden oder er in der dritten noch da sein, wäre er mir den Pick wert, aber den 45. Pick würde ich für ihn nicht verwenden.

Duke Eijofor, Wake Forest

Duke Eijofor habe ich bei meinen Recherchen oft spät in der dritten Runde gesehen, jedoch glaube ich, dass er situativ auch schon Ende der zweiten Runde gedraftet werden könnte. Er ist etwas kleiner als mein Lieblings-Rusher Davenport, hat dafür ein bisschen mehr auf den Rippen. Diese Kraft lässt ihn definitiv nur in der Line spielen. Nach Chubb und Hubbard ist er die Nummer 3 der reinen Defensive Ends, mit Davenport und Key als Hybride also meine Nummer 5 dieser Position.  Er hat einen schönen Spin-Move und tacklet extrem stark. An wem Eijofor mal dran ist, der wird ihn auch nicht mehr los. Seine Handarbeit gegen Tackle oder Tight End ist hervorragend, da ist er einer der besten im Draft. Eijofor kann mit seiner Kraft auch Inside spielen, er könnte also auch in einer Hybrid-Defense spielen und dort in der Line rotieren. Eijofor ist etwas langsam und grade wenn er nicht an den Quarterback rankommt, ist er absolut nutzlos. Er ist eher schlecht darin, einen scramblenden Quarterback zu jagen, und auch gegen den Lauf ist er eher mager, wenn der Runningback nicht gezielt in seinen Radius läuft. Außerdem sind bei Eijofor Verletzungen ein großes Problem.

Als Spieler gefällt er mir besonders gut und in einer 4-3-Defense ist Eijofor definitiv gut aufgehoben und hat das Potential, mal viel aus sich zu machen. Er hat aber auch seine Schwächen. Für uns ist er leider nicht wirklich brauchbar, da wir eher einen Hybrid oder 3-4-OLB suchen, als einen puren Defensive End, der auch variabel in 3-4 dann nur in der Line steht – spätestens nach der Verpflichtung von Wilkerson haben wir eine starke Line.

Ogbonnia Okoronkwo, Oklahoma

Okoronkwo ist ein sehr schneller, wendiger Edge-Rusher. Er ist ein Hybrid, kann also in der Line als Defensive End spielen, hat aber auch genug Schnelligkeit, um als 3-4-Outside Linebacker auf dem Feld zu stehen. Besonders gefällt mir, dass Okoronkwo nahezu nie aufgibt. Er geht immer dem Ball hinterher und selbst wenn der QB wirft, reißt er zumindest seine Arme hoch und kann so den ein oder anderen Pass blocken. Im Gegensatz zu Top-Prospect Chubb bleibt er jedoch durchgehend fair. Mit insgesamt 17 Sacks in den letzten 2 Jahren zeigt er durchaus gute Leistungen, dazu kommen 5 Forced Fumbles, von denen er 2 selbst erobert hat. Wenn man allerdings bedenkt, wieviele Sacks und Tackles er liegen lässt, einfach weil er sich selbst über- oder den Gegner unterschätzt, sind die Werte fast schwach. Er passt einfach nicht auf und hat anscheinend einen Faible dafür, kurz vor wichtigen Tackles oder Sacks zu stolpern oder irgendwie anders sich selbst zu Fall zu bringen. Daran muss definitiv gearbeitet werden. Mit seinen ca. 1,86m ist er nicht der Größte und er hat auch nicht die beste Handarbeit, das macht er aber durch seine Athletik wett. Manchmal versucht er, nicht in den Rush zu gehen, sondern abzuwarten und dann startet dann erst sehr spät. Diese Aktionen führen aber gefühlt nie zu Erfolg, das sollte er sich abgewöhnen.

Wenn man ihm die Antizipation beibringen kann, dann wird er definitiv irgendwo zum Starter, das Potential bringt er auf jeden Fall mit. In der aktuellen Form mit den genannten Negativpunkten wird sein direkter Einfluss im ersten Jahr aber eher gering sein. Er ist eher ein 3-4-OLB, kann aber variabel eingesetzt werden, das würde ihn für uns sehr wertvoll machen. Wenn man dieses Jahr noch aufbauen und in 1-2 Jahren dann zuschlagen will, könnte er definitiv eine Option für uns sein, direkt weiterhelfen wird er uns aber auf keinen Fall. Sollte er in die dritte Runde fallen, kann man über diesen Pick nachdenken, den 45. Pick ist aber auch er definitiv nicht wert.

Uchenna Nwosu, USC

Nwosu einzusortieren, ist wirklich schwer. Er ist eine Allzweckwaffe gegen den Pass. Er ist ein starker Rusher und kann immer für Sacks sorgen. In seiner letzten Saison erzielte er 9.5 Sacks und 75 Tackles. Er kann aber in seiner vierjährigen College-Karriere nur einen einzigen Forced Fumble verbuchen. Außerdem kann er Runningbacks und Tight Ends covern, sogar gegen Star-Quarterbacks wie Josh Rosen hat er diese Aufgabe durchaus gut erledigt. Und auch wenn er zum Rush angesetzt ist, antizipiert er die Pässe der Quarterbacks gut und schafft es öfter, diese runter zu schlagen. Sein Hauptproblem liegt bei der Laufverteidigung. Er ist verdammt schlecht darin, sich vom Block zu lösen und den Runningback zu tacklen, auch wenn dieser quasi direkt an ihm vorbeiläuft. In der Rückwärtsbewegung läuft er meist nur nebenher, obwohl er mit etwas mehr Einsatz auch beim Tackle helfen könnte. So ermöglicht er den gegnerischen Teams oft zusätzliche Yards, die nicht nötig wären. Vorallem gegen laufstarke Quarterbacks mit Play-Action-Spielzügen hat er seine Probleme.

Für uns könnte er definitiv eine Verstärkung sein, da wir ansich eine gute Laufverteidigung besitzen. Klar ist aber auch, dass er diese starke Laufverteidigung durch seine Anwesenheit auf dem Feld schwächen würde. Wo er im Draft geht, ist eine schwierige Frage. Wenn es Teams gibt, die daran glauben, dass er in der Passverteidigung so stark ist, dass das seine Schwächen im Lauf aufwiegt, dann könnte er vielleicht schon gegen Ende der zweiten Runde gepickt werden. Viel wahrscheinlicher ist aber, dass er erst Mitte bis Ende der dritten Runde gewählt wird, für einen früheren Pick hat er noch zu viel zu lernen.

NFL Draft 2018 – Tag 3 / Runde 4-7

Jeff Holland, Auburn

In seinen ersten beiden College-Jahren spielte Holland nur sporadisch, dementsprechend mau sehen auch seine Stats aus. Schaut man sich Tape hat, sieht man, dass Holland sich von der Freshman-Saison bis zum Ende der Sophomore-Saison stark in seiner Handarbeit verbessert hat. Nicht verwunderlich ist also, dass er in der Junior-Saison 2017 alle 14 Spiele auf dem platz stand und auf 9.5 Sacks mit 4 Forced Fumbles kam. Neben der guten Handarbeit schaffte er es auch mehrmals, den gegnerischen Runningback in den Quarterback hinein zu schieben. Leider funktioniert das bei Offensive Linemen absolut nicht. Er ist über die linke Seite (am Right Tackle vorbei) deutlich effekter als über rechts. Im Tape sieht es so aus, als ob sein linker Arm nicht stark genug wäre, um den Tackle wegzuhalten. Er wird häufig vom Tackle einfach am QB vorbeigeschoben. Seine fehlende Geschwindigkeit lässt Holland für mich eher wie ein Defensive End aussehen, auch wenn er gelernter 3-4-OLB ist.

Jeff Holland hat definitiv Potential, in der NFL zu spielen. Mit ganz viel Arbeit ist vielleicht sogar ein Starting Job drin, aber da muss wirklich noch viel passieren. Er muss an seiner Kraft arbeiten und auch etwas mehr Geschwindigkeit würde ihm sehr gut tun, um ausbrechenden QBs besser hinterher zu kommen. Da viele seiner Probleme aber fitnessbedingt sind, glaube ich, dass man da noch viel machen kann. Für die späten Runden ist er eine echte Alternative, mit mehr Speed dann auch als OLB. Könnte in der vierten Runde gehen.

Dorance Armstrong Jr., Kansas

Armstrong spielt einen unglaublich langweiligen Football. Er ist langsam, wenig explosiv und quasi seine komplette Produktion entsteht durch seine Antizipation des Spiels. Da er dann zwar sieht, wo er hin müsste, oft aber einfach zu spät kommt, verpasst er viele relativ einfache Tackles. Er ist relativ kräftig und kann, wenn er für die Offensive Line überraschend kommt, sogar gegen die Double Coverage ankommen. Sobald ein Offensive Liner aber seinen Körper dazwischen schiebt, ist er ziemlich außen vor. Dazu ist er schwach gegen den Run oder allgemein entlang der Line of Scrimmage. Er ist absolut kein Big Play-Spieler. Wenn er den Tackle beginnen konnte, dann bringt er ihn auch meistens zu Ende. Er arbeitet dann stark auf den Ball und forciert so Fumbles, die andere Edge-Rusher nicht geholt hätten. Trotzdem ist er relativ einfach durch einen Stiff-Arm oder einen einfachen Move auszuschalten.

Für die Packers ist er meiner Meinung nach nichts. Er ist deutlich zu langsam für den 3-4-OLB und ihm fehlt das Big Play-Potential, das unsere Defense gebrauchen könnte. Nach einer starken 2016er-Saison und einer schwachen 2017er Saison verstehe ich nicht, wieso Armstrong sein Senior-Jahr nicht noch am College verbringt, für ihn kommt die NFL zu früh. Vor der vierten Runde sehe ich ihn definitiv nicht vom Board gehen, und auch dann könnte es ein langer Tag werden.

Kemoko Turay, Rutgers

Absolute Sleeper-Empfehlung! Turay leidet bei Rutgers unter einem schlechten Team. Zusammen mit Verletzungsproblemen ist das der Grund für seine schlechten Stats. Im Tape zeigt er eine gute Athletik, eine gute Arbeit gegen Tackles und eine starke Passverteidigung. Oft rennt er gegen mehrere Offensive Linemen an oder der Ball verlässt innerhalb von wenigen Sekunden die Hand des Quarterbacks, weshalb selbst der schnellste Passrush keine Auswirkung hat. Vier Sacks, ein Forced Fumble und 65 Tackles sprechen nicht unbedingt für ihn, aber am Ende fehlt echt nicht viel, damit er ein richtig guter NFL-Spieler werden kann. Was mir gar nicht gefällt, ist seine fehlende Antizipation. Er merkt oft sehr spät, ob der Runningback den Ball bekommt oder nicht – Play-Action-Fakes funktionieren gegen ihn unglaublich gut, daran muss er arbeiten.

Turay hat aufgrund von echt schlechten Stats wahrscheinlich ein schwieriges Standing im Draft. Dazu kommen seine Verletzungsprobleme. Letzteres macht mir Sorgen, von seinen Anlagen, die man dem Tape entnehmen kann, ist er definitiv ein Kandidat für den zweiten Drafttag, so könnte er bis ans Ende des Drafts fallen. Von mir jedoch eine Empfehlung, bei den Packers würde er mir gefallen – vorausgesetzt, er bleibt gesund!

 

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Dies hier ist Nikxx‘ persönliche Meinung, einzelne Mitglieder oder die komplette restliche Packers Germany-Redaktion kann das anders sehen. Über konstruktive Kritik würde ich mich sehr freuen!

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