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Die Packers und der Claymaker – wertvolle Erfahrung oder unnützer Ballast?

Der folgende Artikel ist ein Kommentar von @KaesekopfDE. Er ist auch als Antwort gedacht zur „Third-and-Long“ Kolumne von Adrian Franke auf Spox.

Clay Matthews: 31 Jahre, seit 9 Jahren bei den Packers. 80 Sacks. 40 abgewehrte Pässe. 127 Spiele. 327 Tackles. Sechs Interceptions und zwei Touchdowns. Das alles sind außergewöhnliche Statistiken einer außergewöhnlichen Karriere. Als Erstrundenpick im Jahr 2009 von den Packers gedraftet, spielte er bisher immer für die Franchise aus Green Bay. In seinem Rookie-Vertrag erhielt er $13 Mio Dollar und konnte überzeugen, sodass er nach Auslaufen des Vertrags einen Fünf-Jahres-Deal über $66 Mio Dollar unterzeichnen durfte. Sein Signing Bonus ist mit der abgelaufenen Saison vollständig ausbezahlt und es gibt auch keine weiteren Altlasten in seinem Vertrag. Wenn sie wollten, könnten die Packers Clay Matthews ohne (!) Dead Cap entlassen. Sollten sie das nicht tun, erhielte Matthews knapp über $10 Mio an Grundgehalt und fast $1 Mio an Boni (Roster, Workout Bonus).

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In der abgelaufenen Saison erhielt Matthews circa das gleiche Grundgehalt und die gleichen Boni. War er das wert? 27 Tackles und 7.5 Sacks stehen auf der Haben-Seite, das ist also über eine Million Dollar pro Sack. Eine teure Rate, wenn man es so betrachten will. Und es darf bezweifelt werden, ob im kommenden Jahr mehr dazu kommt, denn in den letzten drei Jahren standen im Schnitt knapp über 6 Sacks zu Buche (6.5,5,7.5).

Andererseits ist eine „limitierende Komponente“ der Defense (Dom Capers) weg. Natürlich muss ein neues defensives Scheme gelernt werden, nachdem Matthews bisher nur unter Capers gespielt hat. Andererseits hält der neue Defensive Coordinator, Mike Pettine, große Stücke auf Matthews:

Pettine antwortete auf Fragen auch zu einzelnen Spielern, hier im Speziellen zu Clay Matthews: Er sein ein „versatile“, also ein vielseitiger Spieler, der sowohl inside, als über die außen an den QB kommen könne. Er glaube an Hybrid Spieler vor allem aus zwei Gründen: Erstens, sie vergrößern die Kadertiefe, wenn sie mehr als eine Position spielen können und zweitens, man kann mit ihnen die Offense sehr effektiv verwirren und verunsichern. Ein großer Teil der Offense besteht in der Identifizierung des Defensiv-Schemes und Einschätzung von Blitzes, etc. Hybrid-Spieler machen das deutlich schwieriger. (Coaching Staff im Porträt: Mike Pettine)

Nun hat jeder seine eigene Meinung auf die Frage, ob Matthews „es noch draufhat“. Meine persönliche Einschätzung ist: JA. Matthews ist ein Leader auf und neben dem Feld, er führt die Defense emotional, taktisch und auch Haar-stylistisch an. Seine Erfahrung ist für die nachkommende Generation an Packers-Linebackern unglaublich wertvoll und auch wenn er nicht jeden Snap spielt und nicht mehr so abliefert wie in seinen allerbesten Zeiten, so brauchen ihn die Packers unbedingt. Er zieht trotz nachlassender Statistiken eine Menge Aufmerksamkeit auf sich und ist ganz sicher ein wichtiges Element in der Vorbereitung der Gegner auf die Defense der Packers.

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Ein weiterer Punkt, den man immer betrachten muss, ist: Was wäre die Alternative? Entlässt man einen Spieler (oder auch Trainer) aus sportlichen und nicht aus persönlichen Gründen, muss die Alternative immer ein Upgrade sein. Wie sieht das bei Matthews aus? Ein Spieler aus dem Draft wäre möglicherweise ein Upgrade, er könnte die Erfahrung von Matthews aber nicht ersetzen. Man bräuchte also einen Free Agent, der jünger als Matthews ist, konstant 10+ Sacks pro Saison abliefert, sofort ein Leader im locker room werden kann, inside und outside spielen kann und dann noch deutlich billiger (in der Free Agency!) als Matthews ist. Das halte ich persönlich für – sagen wir – eine Herausforderung für den neuen GM Gutekunst. Wenn er das schafft, darf er Matthews gerne entlassen. Wenn nicht, sollte man den Vertrag durchziehen, denn eine Sache geht überhaupt nicht: Ihm eine Vertragsverlängerung anbieten bei reduziertem Gehalt und dann nichts in der Hinterhand haben, sollte er ablehnen. Es gibt nichts Dümmeres, als von einem Spieler eine Gehaltsreduzierung zu fordern und sollte der ablehnen, ihn dann einfach mit dem alten Vertrag weiterspielen lassen. Dann muss man auch so weit gehen, ihn zu entlassen – alles andere wäre maximal unglaubwürdig.

Und aufgrund all dieser Faktoren bin ich persönlich der Meinung, dass man Matthews noch ein Jahr dabehalten, in diesem Draft früh nach Pass Rushern Ausschau halten und denen dann die Erfahrung von Matthews mitgeben sollte. Die Packers haben momentan circa $20 Mio an freiem Cap Space, davon dürfte ein Teil für Aaron Rodgers‘ Verlängerung draufgehen (der dieses Jahr selbst circa $20 Mio an Cap Space beleg) und ein Großteil für Free Agents.

Meine Empfehlung: Im Pass Rush (in der Free Agency) würde ich eher nach einem Verteidiger Ausschau halten, der schon etwas älter und dafür recht billig zu haben ist, den als „situational rusher“ z.B. bei 3rd downs einzusetzen und sich sonst über den Draft zu verstärken.

Der Artikel ist die persönliche Meinung von @KaesekopfDE. Er spiegelt (ausdrücklich ;)) nicht die Meinung aller Mitglieder der Redaktion wider. Für andere Meinungen, lest euch die Recap der Defense 2017 von Nikxx durch.

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