Allgemein Offseason 2018

Coaching Staff im Porträt: Defensive Coordinator Mike Pettine

Die Packers haben in der Offseason ordentlich rotiert und unter anderem einen neuen Defensive Coordinator verpflichtet – Mike Pettine.

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Lebenslauf und Coaching Erfahrung

Pettine wurde 1966 in Pennsylvania geboren. Er spielte Football an der High School und am College, bei den Virginia Cavaliers. 1993 begann er seine Karriere als Football-Coach, zunächst an einigen High Schools, bevor er 2002 als Coaching Assistant von den Baltimore Ravens verpflichtet wurde. Dort blieb er in unterschiedlichen Positionen bis 2009, wo er als Defensive Coordinator zu den Jets wechselte. Drei Jahre später wurde er von den Buffalo Bills in der gleichen Position übernommen, blieb dort aber nur ein Jahr, weil er 2014 die Chance bekam, Head Coach der Cleveland Browns zu werden. Pettine war zwei Jahre bei den Browns, bevor er entlassen wurde. [wikipedia, packers.com]

Seine Quarterbacks waren Johnny Manziel und Josh McCown und trotz einiger Widrigkeiten („textgate“, als der GM während des Spiels Nachrichten an den Coaching Staff schickte und gesperrt wurde, Sperren von Manziel (freiwillige Einweisung wegen Alkoholproblemen) und tags darauf Josh Gordon (durch den Drogentest gefallen)), schaffte er eine 7-9 Saison und eine 3-13 Saison; Ergebnisse also, über die 2016er und 2017er Browns wohl jublen würden (1-31 insgesamt).

Nach seiner Entlassung war er nach eigenen Angaben ein freiwilliger, externer Berater der Seattle Seahawks und bereitete sich auf die abgelaufene Saison vor. Das erste Spiel der Saison war bekanntlich gegen die Packers, und da man sich auf das erste Saisonspiel immer „übervorbereite“, seien ihm auch einige Dinge der Packers bekannt. Trotzdem war er vor seinem Interview zum DC-Posten zuvor nie in Green Bay.

Sein Coaching Tree, also seine Erfahrungen unter NFL Head Coaches, beinhaltet neben (ab sofort) Mike McCarthy Rex Ryan, Doug Marrone, John Harbaugh und Brian Billick.

Qualifikation als Defensive Coordinator

In seinen fünf Jahren als Defensive Coordinator führte Pettine seine Einheit jedes Mal zu einem Top-10 Ergebnis in zugelassenen total yards und passings yards. Im Jahr 2013 half er den Bills zur Nummer-2 Defense in der NFL mit einem Franchise Record von 57 Sacks (einziges Team mit 3 Spielern mit jeweils 10+ Sacks). In seinen vier Jahren bei den Jets war die Defense über den Zeitraum Platz 1 in der NFL in gegnerischem passer rating (71), completion percentage (52.6) und passing yards pro Spiel (186.3). [packers.com]

Seine Aussagen in der Pressekonferenz zu seiner Vorstellung

Pettine und McCarthy haben sich über gegenseitige Freunde kennen gelernt, beide waren an der Universität in Pittsburgh, allerdings direkt nacheinander (McCarthy ist 54, Pettine 51). Sie teilen eine gemeinsame Philosophie, was die Einstellung der Defense angeht: Es ist wichtig, physisch gegen den Run zu sein, aber am wichtigsten ist eine gute Passverteidigung. Diese Einstellung sieht man auch deutlich an Pettines Stats. Für die Fans der Packers dürfte das eine willkommene Abwechslung zu Capers‘ „bend-but-don’t-break“- Defense sein, die in den letzten Jahren allzu oft „gebrochen“ ist.

You lose a heck of a lot faster when you give chunks up to the passing game.

Wichtig seien vor allem die 3rd downs, die „quality third downs“ sein müssen. Er will bei dritten Versuchen keine 3rd & short, sondern viel lieber 3rd & long sehen, die müssen man dann aber auch richtig verteidigen.

Seine momentanen Aufgaben sind zunächst die Evaluation des Rosters: was ist an Spielermaterial da, was muss entweder über den Draft oder die Free Agency dazugeholt werden? Dafür muss zunächst ein Depth Chart entwickelt werden, anhand dessen können dann die Wünsche geäußert werden.

Defensiv hält er wenig von einer klaren Ausrichtung 3-4 oder 4-3. Es würden in heutigen NFL-Spielen sowieso nur noch 12-15 Snaps pro Spiel in der „base defense“, also der Grundaufstellung gespielt werden. „In“ sind heute flexible Systeme beispielsweise mit einem Sam (Linebacker auf der strong side) und rushing Linebacker, der auch die Hand runternehmen kann (wie die D-Line).

Ein wichtiger Satz, den Pettine äußerte: Man kann zwar seine Idee vom Spielaufbau haben, trotzdem gilt:

You can’t win with players you don’t have.

Pettine antwortete auf Fragen auch zu einzelnen Spielern, hier im Speziellen zu Clay Matthews: Er sein ein „versatile“, also ein vielseiter Spieler, der sowohl inside, als über die außen an den QB kommen könne. Er glaube an Hybrid Spieler vor allem aus zwei Gründen: 1., sie vergrößern die Kadertiefe, wenn sie mehr als eine Position spielen können und 2., man kann mit ihnen die Offense sehr effektiv verwirren und verunsichern. Ein großer Teil der Offense besteht in der Identifizierung des Defensiv-Schemes und Einschätzung von Blitzes, etc. Hybrid-Spieler machen das deutlich schwieriger.

When NFL Quarterbacks know what you’re doing, you’re in trouble.

Pettine hält auch viel von seinen Assistenten: Sie würden ihm helfen, sein Wissen zu vertiefen. Als Position Coaches braucht es seiner Meinung nach vor allem ausgezeichnete Lehrer.

Über seine Aufgabe als Berater in Seattle sagt er: Es war eine außergewöhnliche Erfahrung, er habe sich Film von zu Hause angeschaut, habe sich das Defensive System angeschaut und Ideen aus dieser tollen Defense extrahiert. Seattle sei außerdem erste Station in der NFC gewesen.

Wie sieht seine Defense aus? „prepared“ (vorbereitet). Das Playbook macht dabei nur einen kleinen Teil einer guten Defense aus:

Scheme is worthless unless your guys play with great passion.

Seine Defense soll komplex aussehen, ohne es wirklich zu sein. Heutzutage gebe es 20-25 verschiedene Defensiv-Varianten, statt wie früher bis zu 50. Das liege unter anderem an der hohen Fluktuation der Spieler und an dem CBA (weniger Trainings, u.a. in der Offseason)

I’m fired up to be her.

Pettine will kein Head Coach mehr werden, er hat den Mangel an Football-sein und -trainieren vermisst. Als Coordinator beschäftige man sich zu 90% seines Jobs mit Football und zu 10% mit administrativen Aufgaben, als Head Coach sei das andersherum.

 

Bei der Betrachtung des Tapes aus seiner Saison bei den Bills wird klar, dass er seine angekündigte Philosophie auch durchaus in der Lage ist, umzusetzen. Im Spiel gegen die Patriots aus Woche 17 seiner letzten Saison bei den Bills wird das sehr gut klar: Brady hat keinen guten Tag, wirft viel zu viele Incompletions und den Ball weg, weil Druck auf ihn kommt und kein Receiver frei ist. Dafür erwischen die Patriots einen Wahnsinns-Tag im Running Game und LaGarette Blount rennt das Spielfeld hoch und runter. Die Patriots gewinnen und erzielen 24 Punkte. Auch in anderen Spielen wird das starke Passverteidigungskonzept der Bills deutlich. Die 24 Punkte gegen die Pats zeugen zwar nicht von einer besonders starken Defense, aber: Die Defensive Line der Packers und insbesondere die Laufverteidigung mit Kenny Clark und Mike Daniels machen viel Mut, die Lücken in der Secondary müssen aber dennoch behoben werden. Dann kann aus der Packers Defense in der kommenden Saison etwas Gutes werden, und eine Top-10 Defense ist alles andere als ein Wunschtraum.

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