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Scouting Report: Brett Hundley

Nach der Verletzung von Aaron Rodgers hat Coach McCarthy Brett Hundley als Quarterback bestätigt. Bisher konnten wir – abgesehen von ein paar wenigen Snaps in einem bereits entschiedenen Spiel – wenig von Brett Hundley sehen. Deshalb schauen wir uns hier mal seine Aktionen in der Preseason genauer an:

Das erste Preseason-Spiel gegen die Eagles, Brett Hundley spielt die erste Hälfte. In der Starting Lineup sind bis auf Jordy Nelson alle Starter um Hundley versammelt. Daher ist dieses Spiel – mit Rücksicht darauf, dass es das erste Spiel der Saison ist und keiner eingespielt ist – vermutlich das mit der größten Aussagekraft.

In diesem Spiel erreicht Hundley 8 Completions bei 15 Versuchen für 90 Yards. Er wirft einen Touchdown und eine Interception und erzielt ein Passer Rating von 66.0. Man sieht: Kein überragendes Spiel von ihm.

Schaut man sich allerdings das Spiel an, sieht die Sache ein wenig anders aus. Das Spiel ist immer noch nicht überragend, allerdings sind drei seiner sieben Incompletions ausschließlich seinen Receivern anzulasten. Drei Mal wird ein Ball fallen gelassen, während der Receiver im freien Raum steht, zweimal davon hätte es sicher für ein neues First Down gereicht.

Allgemeine Erkenntnisse lassen sich folgende ziehen: Hundley hat grundsätzlich einen guten Arm, hat einen schnellen Release, wenn es darauf ankommt und wirft dann auch sicher.

 

Probleme hat er, wenn Druck durch den Pass Rush kommt. Ein Sack ist durchaus ihm anzulasten, da hatte er genug Zeit, um den Ball loszuwerden. Ein zweites Mal kann er froh sein, dass der Lineman einen halben Schritt zu spät für einen Sack ist, der dann auch schnell zu einem Fumble hätte werden können.

 

Bei der Interception wirft er den Ball in die Mitte, lässt sich dabei aber viel zu viel Zeit und ermöglicht damit die Interception (außerdem ist es einfach auch ein schlechter Wurf).

 

Hundley macht also in keinem Fall ein überragendes Spiel – er zeigt allerdings Ansätze eines mobilen Quarterbacks, der solide werfen kann. Ein Playbook, das voll auf ihn und seine Fähigkeiten ausgerichtet ist (die Packers haben bewiesen, dass sie sich gut auf ihren Quarterback einstellen können), wird ihm weiter helfen in seiner Entwicklung.

Im zweiten Spiel gegen die Redskins (auswärts) spielt Rodgers im ersten Drive. Hundley übernimmt ab dem zweiten Drive (gegen Ende des ersten Viertels).

Die ersten drei Snaps beginnen unschön: Delay of Game (Zeit abgelaufen), Sack und fast ein Safety. Danach noch ein Pass über circa 10 Yards und der Drive endet mit 4.&17.

In seinem zweiten Drive ist er wie verwandelt: Play-Action, er rollt nach rechts und wirft einen schönen Pass zum neuen First Down. Sein zweiter Pass ist dieses Big Play:

Man sieht gut, wie er hier durch seine Reads geht und den freien Recevier erkennt. Genau das muss er jetzt als neuer starting Quarterback der Packers noch viel öfter zeigen.

Weniger gut: Manchmal übersieht er die einfachen Pässe, wie zum Beispiel hier:

Der freie Receiver an der Line of Scrimmage ist für jeden klar zu sehen. Doch Hundley wartet noch drei Schritte, sieht den Linebacker auf sich zukommen, dreht sich um und läuft durch die Mitte – immerhin macht er damit noch ein Yard gut. Ein gut getimter Pass in den Lauf hätte hingegen höchstwahrscheinlich den Touchdown gebracht, zumindest aber ein sicheres First Down.

Im nächsten Spielzug macht er es aber gleich wieder besser. Er erkennt den freien Receiver, wirft den perfekten Pass – Touchdown!

Auch im nächsten Drive macht er eine gute Figur, zieht seine Gegner einmal fast und einmal wirklich ins Offside. Das daraus resultierende Free Play kann er aber nicht nutzen, weil der einzige Receiver, der tief geht, in double coverage gedeckt ist (natürlich versucht er es trotzdem, er hat ja nichts zu befürchten). Man sieht, er lernt von Rodgers…

Auch nach der Pause steht Hundley weiter auf dem Feld. Hier hat er ein wirklich tolles Play, das leider wegen Holdings zurückgepfiffen wird: Bei 3.&13 holt er „theoretisch“ das neue First Down. (Natürlich darf man so nicht rechnen, denn er macht das Big Play ja auch dank des Holdings, es ist aber trotzdem ein beeindruckender Spielzug.)

Auch im dritten Spiel gegen die Broncos bekommt Hundley einige Spielzüge mit den Startern, nachdem Rodgers nur einen einzigen Drive spielt und die Offense noch im ersten Viertel an Hundley übergibt.

Hundleys erster Drive kommt ein wenig daher wie zu viele in seiner Preseason: Sack beim 1st Down, kurzer Pass beim second down und ein Scramble und ein weggeworfener Pass beim third down, danach der Punt. Er muss auf jeden Fall lernen, seine Drives zu verlängern.

Auch im zweiten Drive kann er wenig bewirken, weil Davante Adams einen Ball fallen lässt, der vielleicht ein paar Zentimeter zu hoch, aber definitiv fangbar ist. Damit hätte Green Bay sich den Weg aus der eigenen Endzone kämpfen können. Bei dritter & sehr lang wäre es auch für Rodgers schwierig geworden.

Generell zeigt er in diesem Spiel eine klare Verbesserung: Er spielt sichere Pässe, sieht seine freien Receiver und hat ein gutes Gefühl für die Uhr (diesmal kann er das Timeout nehmen, bevor die Uhr abläuft).

Ein beispielhafter Spielzug: Er erkennt den Druck bei 3rd&10, weicht ihm aus und wirft den Ball zum neuen First Down.

Im gleichen Spielzug schafft er es allerdings nicht, mit einem QB Sneak bei 4th&1 den Ball hinter seinem Center zum neuen First Down zu tragen.

Die weiteren Drives verlaufen unspektakulär, allgemein sollte man die Drives mit Max McCaffrey und anderen Receivern nicht zu hoch hängen. Ein Play solltet ihr euch aber noch anschauen:

Einen Play-Action Spielzug ohne freien Receiver verwandelt Hundley mit einem starken Lauf in ein neues First Down. Kurz danach läuft er auch noch selbst zum neuen First Down.

Hundley spielt bis zum Ende des Spiels durch und wirft noch eine wunderschöne Interception über den Kopf seines Receivers, die zum Glück wegen einer Flagge der Defense nicht zählt.

Im vierten Spiel gibt es zu wenig Relevantes, um ausführlich darüber zu berichten. Mit Allison als Nummer 1 – Receiver ist die Aussagekraft der Plays nicht besonders hoch. Man muss nur bemerken, dass er wieder zwei starke Läufe hat, einen davon in bester Runningback-Manier mit gesenktem Kopf zum Touchdown. Allerdings ist auch ein sehr schwacher Shuffle-Pass über circa 2 Yards dabei, der auf dem kurzen Weg verhungert und auf dem Rasen landet.

Zusammenfassung

Hundley ist nicht Rodgers, das hat er in der Postgame Pressekonferenz korrekt bemerkt, auch wenn er es bestimmt anders gemeint hat. Es ist klar, dass er nicht das Gleiche leisten kann wie der begabteste Quarterback aller Zeiten – das darf und kann man auch nicht von ihm erwarten.

Was Hundley aber ist: Ein fähiger Quarterback, der den Packers durchaus helfen kann. Wenn Hundley gut spielt, ist der Weltuntergang für die Packer-Fans vielleicht noch ein Stückchen weg.

Er hat in jedem Fall die körperlichen Voraussetzungen, um diese Offense zu tragen. Wenn er läuft, erkennt er die Freiräume, in die er stoßen kann. Beim Passen fehlt es ihm ab und zu ein wenig an Genauigkeit und in der Redzone wirkt er oft ein wenig überhastet und bringt dort auch deutlich weniger Pässe an. Mit Selbstvertrauen und Ruhe kann er viel Gutes bewirken. Manchmal läuft er jedoch zu früh aus der Pocket, selbst wenn die noch stabil ist und vergibt damit manch gute Möglichkeit. Seine kurzen Pässe bringt er so gut wie immer an den Mann.

Ich denke, Green Bay sollte genau darauf setzen: Kurze, schnelle Pässe zu Beginn des Spiels, die ihm Selbstvertrauen geben. Er hat alle Fähigkeiten für den langen Pass downfield.

Meistens schaut er auch downfield und geht durch seine Reads – dabei kommen auch teilweise wunderschöne Pässe zustande. Manchmal wirkt er aber auch gehetzt und an ein paar Sacks, die er abbekommen hat, ist er ganz alleine Schuld.

Mit einem Gameplan, der auf seine Fähigkeiten zugeschnitten ist, würde ich Green Bays Offense nicht abschreiben und dann würde ich ihn auch als Top-20 Quarterback momentan einordnen. Das Problem in Green Bay: Die Defense wird die Kohlen nicht aus dem Feuer holen…

Seine Stats in der Preseason (von nfl.com):

Jetzt können wir Brett Hundley nur noch beide Daumen für das Spiel gegen die Saints drücken.

 

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