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Behind the curtain: Die Ausbeutung der College-Spieler

Zunächst zur Kolumne: Ich möchte hier eine Kolumne starten und über Dinge schreiben, die in der täglichen Berichterstattung rund um die NFL zu kurz kommen. Das werden selten Boulevard-Themen sein, wie bei der Footballerei, die zu dem Bereich einen Podcast hat, sondern eher sportpolitische oder eben ein Thema, das mir gerade unterm Nagel brennt. Ich werde (wie das in einer Kolumne eben so ist) nicht neutral berichten, sondern meine eigene Meinung zu dem Thema kundtun. Wenn euch die nicht gefällt, könnt ihr das gerne anmerken – auf Twitter zum Beispiel oder als Kommentar.

Im ersten Teil möchte ich – zeitlich passend zur gerade statt findenden „March Madness“ – über College-Spieler schreiben. In den Schlagzeilen tauchen die häufig auf, sie sind bekannt im ganzen Staat, in dem das College steht und einige landesweit oder sogar in der internationalen Football-Szene (oder den College-Sport, den sie betreiben).

Sie geben Autogramme, drehen Werbung, man kann Jerseys von ihnen kaufen und sie bringen ihrem College einen echten (Geld-)Mehrwert. Von diesem Geld, das sie generieren, sehen sie selbst aber keinen Cent. Denn sie sind „student-athletes“ (für die Basketballer in der NCAA gilt das Gleiche). Das bedeutet, sie bekommen ein Sportstipendium und können einen Abschluss machen. Klingt doch erstmal fair, oder?

Naja, so ganz einfach ist es dann doch nicht. Studentische Athleten arbeiten und lernen 16 Stunden am Tag, sie haben einen fast so vollgepackten Terminkalender wie Profis (z.B. NFL-Spieler), müssen darüber hinaus aber noch die gleiche Arbeit machen, die ein Student (wie ich) jeden Tag erledigen muss: Vorlesungen besuchen, Hausarbeiten schreiben, auf Prüfungen lernen, etc. pp. Wie sie das schaffen? Mit sehr wenig Schlaf. Um ihnen das ganze etwas zu vereinfachen, studieren einige Athleten sehr abstrakte Dinge, von denen man weiß, dass sie später keinen Mehrwert haben werden. Sie brauchen aber gute Noten, damit sie ihr Stipendium verlängert bekommen.

Während College-Trainer wie Nick Saban von Alabama also Millionen-Gehälter in Größenordnungen von NFL-Coaches (teilweise bis zu 10 Mio Dollar pro Jahr) einstreichen, arbeiten die Uni-Athleten genauso hart und sehen dafür keinen Cent. Manche Familien sehen ihre Kinder bei der Abschlussfeier nach vier Jahren wieder das erste Mal, ganz allein der Tatsache geschuldet, dass die Eltern nicht das Geld haben, um einmal quer durch die USA zu fahren und ihre Töchter und Söhne zu besuchen.

College-Abschluss in der Tasche – und dann?

Und wenn die College-Zeit dann vorbei ist, stehen die aller-allermeisten zwar mit einem Abschluss da, landen aber nicht in der NFL – das schafft nur ein sehr kleiner Bruchteil. Und wenn sie dann keine Eltern haben, die wissen, wie sie sie unterstützen können, landen sie wieder am gleichen Ort an dem sie herkommen: In einem Viertel voller Gewalt, Drogen und ohne Ausweg. Das sind keine Ausnahmen, das ist die Regel. Denn sie haben vier Jahre ihres Lebens zwar unter anderem mit Lernen verbracht, der Hauptaspekt ihrer College-Zeit lag aber ganz klar auf dem Sport. Und sie haben einen weiteren, entscheidenden Nachteil. Während die regulären Studenten bei Praktika Kontakte knüpfen, Firmen auf sich aufmerksam machen konnten und im Rahmen eines Auslandssemsters beispielsweise wertvolle Erfahrung sammeln konnten, hatten die Sportler keine Zeit dafür.

Der Druck lastet auf den Schultern der Spieler

College-Trainer, die ihre Schützlinge eigentlich unter ihre Fittiche nehmen sollten und ihnen Zeit zur Entwicklung einräumen müssten, setzen die Spieler extrem unter Druck, damit sie nach Verletzungen sofort wieder spielen.Teilweise erst bei 65% (siehe Artikel unten), mit getaptem Knie und eigentlich noch in der Regenerationsphase.

Hier schreibt ein früherer Purdue-Safety, wie sein Trainer ihn einmal ins Büro gerufen hat und ihn unter Tränen und mit Bildern seiner Familie angebettelt hat, wieder zu spielen (und zu gewinnen), da er sonst seinen Job verlieren würde. College-Spieler laufen häufig – ähnlich wie NFL-Profis oder auch Bundesligaspieler – mit dicken Kopfhörern den kurzen Weg vom Teambus bis ins Stadion. Der Grund: Der massive Druck, unter dem sie stehen.

Luxus-Leistungszentren – aus Dank gegenüber den Studenten?

Es ist natürlich nicht alles schlecht. Während der Zeit im College brauchen sich die Athleten keine Sorgen um ihre Verpflegung zu machen – die ist meistens sehr gut und vor allem kostenlos. Nachteil: Oft haben die Studenten in ihrem vollgepackten Terminkalender keine Zeit fürs Essen. Athleten können in tollen Einrichtungen trainieren, die meist überaus luxuriös ausgestattet sind:

Bilderstrecke mit den Top 25 Facilities im College Football

Alabama (Crimson Tide) hat ein Fitnessstudio im Wert von $9.1 Mio gebaut. Die Facility der Oregon Ducks hat $68 Mio gekostet. Bei diesen Zahlen kann man sich doch eigentlich nur an den Kopf fassen. Der Grund ist simpel: Colleges behaupten von sich, Non-Profit-Organisationen zu sein (damit sie rechtfertigen können, an die student athletes keine Gehälter auszuzahlen). Diese top-notch luxuriös ausgestatteten Einrichtungen werden also nicht gebaut, um den Studenten eine tolle Atmosphäre zu bieten, sondern hauptsächlich, um die Bilanz zu drücken: Mehr Ausgaben bedeutet weniger Gewinn. Manche Colleges treiben das Spiel so weit, dass sie am Ende ein Minus unterm Strich stehen haben, also rechnerisch Verlust machen – obwohl sie in der Realität durch Werbeverträge, Fernsehgelder und Ausschüttungen der Liga NCAA viele Millionen verdienen.

Die Spieler sehen davon keinen Cent. Dennoch geben sie alles für ihren Traum, Profisportler zu werden und damit ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Diese Studenten geben alles, was sie haben, für ihren Traum und noch ein bisschen mehr. Sie kämpfen. Manche sind nach den vier Jahren Football ein körperliches Wrack – und das ist nicht übertrieben. Aber sie wollen es unbedingt. Hier ein Video, in der der Direktor der Uni vor allen Spielern und Coaches verkündet, dass das Football-Programm eingestellt wird:

Ich finde es eine Unverschämtheit, dass diese Spieler für all diese Mühe keinen Cent bekommen. Sie sollten wenigstens dafür entlohnt werden.

 

Erinnert ihr euch an die Summe des Trainingszentrums der Oregon Ducks? Der Neubau des FC Bayern Campus 2017 kostete 70 Mio Euro ($86 Mio). Dort sind alle Jugendmannschaften des Weltvereins untergebracht. Der Neubau des Trainingszentrums eines weiteren Bundesligisten, des RB Leipzig kostete 33 Mio Euro ($40 Mio).

 

Schreibt mir eure Meinung dazu als Kommentar oder auf Twitter.

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