Allgemein Offseason 2018

Strukturelle Veränderungen im Front Office der Packers

In den letzten Wochen ist viel passiert im Front Office der Packers: Personelle Veränderungen gepaart mit strukturellen Veränderungen sorgen für einen großen Umbruch in der sonst so ruhigen Lombardi Avenue 1265.

Personelle Veränderungen

Personelle Veränderungen ergaben sich durch den Wechsel von Ted Thompson vom General Manager hin zu einer lediglich beratenden Funktion. Damit kann sich Thompson jetzt wieder voll und ganz seiner Leidenschaft widmen: Dem Scouten von College-Talenten. Die administrativen Aufgaben und die Übersicht über das ganze Front Office der Packers gab er an Brian Gutekunst ab.

President Mark Murphy ernannte diesen Anfang Januar zum General Manager. Gleichzeitig wurde Russ Ball, verantwortlich für das Aushandeln von Spielerverträgen und der Gestaltung des Salary Cap (dem verfügbaren Gehalt, das an Spieler gezahlt werden kann) ebenfalls befördert. Eliot Wolf, Sohn des ehemaligen GMs Ron Wolf, brachten die personellen Veränderungen ohne Berücksichtigung seiner Person ebenso wie Alonzo Highsmith dazu, sich den Cleveland Browns und General Manager John Dorsey anzuschließen.

Strukturelle Veränderungen

Bei der Vorstellung von Brian Gutekunst gab Mark Murphy auch ein paar strukturelle Veränderungen bekannt. Statt wie zuvor alle Personalentscheidungen beim General Manager, liegt nun die Verantwortung über den Trainerposten (also dessen Einstellung bzw. Entlassung) direkt bei Mark Murphy. Darüber hinaus berichten Russ Ball, Brian Gutekunst und Trainer Mike McCarthy nun direkt Mark Murphy statt wie zuvor dem General Manager. Murphy begründete das mit „silos“, die sich in der Kommunikation gebildet hätten und die er nun aufbrechen wolle.

Im Grunde nimmt Murphy dem neuen General Manager also Kompetenzen weg und gibt sie sich selbst. Ins tägliche Football-Geschäft will er sich aber weiterhin nicht einmischen, das Einstellen und Entlassen von Spielern, Free Agents und Draft Picks ist weiterhin alleinig Aufgabe des GMs.

Doch ist das eine gute Idee?

Zunächst zur Qualifikation von Mark Murphy: Murphy ist ein ligaweit anerkannter und geschätzter Vertreter seiner Franchise, auch wenn er selbst die Packers nur vertritt und nicht besitzt. Als ehemaliger NFL-Safety (zweifacher SuperBowl Sieger, All-Pro und Pro Bowler) hat er viel Ahnung von Football. Darüber hinaus hat er Abschlüsse in Wirtschaft und Recht vorzuweisen. Damit ist er für den Posten des Präsidenten einer Franchise qualifizierter als die meisten anderen Owner, die die Franchise entweder mit Geld gekauft oder geerbt haben. Seine Erfahrung auf beiden Feldern macht ihn zum idealen Präsidenten einer Football-Franchise.

Laut Murphy haben 13 andere Franchises in der NFL eine ähnliche Struktur und sieben davon seien in die Playoffs gekommen.

Doch ist es gut für die Packers, wenn der Präsident die „Macht an sich reißt“? Zunächst einmal ist die Vorstellung, dass im Front Office der Packers nicht allzu viel miteinander geredet wurde, nicht absurd. Wenn Ted Thompson sich in seinem Job ähnlich verhalten hat, wie gegnüber der Presse in seinen Jahren als General Manager und damit auch als Vertreter einer Franchise, die in der öffentlichen Hand liegt, ist das wenig verwunderlich. Darüber hinaus war er der einzige, der Mark Murphy Bericht erstattet hat. Eine strukturelle Veränderung insbesondere in der Kommunikation ist wahrscheinlich dringend nötig gewesen.

Weitere Entwicklung

Allerdings gilt: Das aktuelle Konstrukt ist meiner Meinung nach keine dauerhafte Lösung. Für die nächste Zeit ist es wahrscheinlich die beste Möglichkeit, die Kommunikation wiederherzustellen. Weiterhin ist Brian Gutekunst zwar schon lange Zeit bei den Packers, Erfahrung als General Manager hat er allerdings noch keine. Seine Kompetenzen auf das Kerngeschäft zu beschränken ist daher eine gute Idee.

Für die mittlere und ferne Zukunft sollte dieses Modell allerdings nicht bestehen bleiben. Der Grund ist einfach: Es bahnt sich ein Kompetenzwirrwarr an. Ein Beispiel: Gutekunst ist absolut begeistert von einem Spieler, der Free Agent ist. Russ Ball, verantwortlich für den Salary Cap, lehnt die Verpflichtung ab und geht zu Mark Murphy. Dieser muss nun die Entscheidung über einen Spieler treffen und mischt sich daher doch ins Football-Geschäft ein. Es geht hier nicht darum, ob er die richtige Entscheidung treffen wird, es sollte schlicht und einfach nicht seine sein.

In Zukunft müssen die Kompetenzen wieder beim General Manager gebündelt werden. Dieser entscheidet alleinverantwortlich über Spielerentscheidungen. Vielleicht ist die aktuelle Situation auch ein Zugeständnis an Russ Ball, der nicht als General Manager eingestellt wurde. Man kennt die genauen Gründe nicht und wir können die Hintergründe dafür nur vermuten. Eine dauerhafte Lösung sollte das aktuelle Konstrukt allerdings nicht darstellen.

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